Ledergesicht

Ledergesicht Band 2 Die Witwe

Ledergesicht Band 2 Die Witwe
Ot.: Gueule de cuir - vol. 02/3: La Veuve
Pevel, Créty, Maffre
Hardcover, 64 Seiten, farbig
€ 20,00
ISBN 978-3-949987-64-9
Zack Edition

Ich muss ehrlich sagen: *Ledergesicht – Die Witwe* ist genau so ein Comic, bei dem man nach dem Lesen erst mal kurz sitzen bleibt und versucht, alles zu sortieren – und gleichzeitig will man sofort zurückblättern, weil so viel passiert, dass man Angst hat, etwas verpasst zu haben.

Der zweite Band der Reihe zieht die Schraube nochmal ordentlich an. Paris ist hier endgültig kein historischer Schauplatz mehr, sondern ein richtiges Schattenreich voller Geheimbünde, okkulter Zeichen und brutaler Machtspiele. Die Triaden kämpfen nicht einfach nur um Einfluss – das Ganze wirkt eher wie ein Krieg um die Seele der Stadt.

Und mittendrin Ledergesicht, dieser maskierte Typ, der irgendwie zwischen Henker, Rächer und Spielfigur in einem größeren Plan hängt. Ich finde genau das macht ihn so spannend: Er ist kein klassischer Held, der alles richtig macht. Eher jemand, der in etwas hineingezogen wurde und jetzt versucht, in diesem Chaos irgendwie nicht unterzugehen.

Man merkt ziemlich schnell: Das hier ist kein Comic, der einen an die Hand nimmt. Die Handlung ist komplex, teilweise richtig verschachtelt, und es kommen ständig neue Begriffe, Fraktionen und mystische Elemente dazu – Erste Triade, Dritte Triade, König der Gräber, Tarot, Sternzeichen, Alchemie…

Ich gebe zu, manchmal musste ich kurz zurückblättern und überlegen: „Wer gehört jetzt nochmal wohin?“ Aber ehrlich gesagt passt genau das auch irgendwie zu dieser Welt. Paris fühlt sich chaotisch, gefährlich und völlig undurchschaubar an – und genau so liest sich der Comic auch.

Was mir richtig gut gefallen hat, ist dieser permanente Druck. Es gibt kaum Ruhephasen. Selbst wenn gerade nicht gekämpft wird, spürt man, dass jederzeit alles eskalieren kann. Besonders Samson der Henker ist so eine Figur, die sofort Eindruck hinterlässt – einfach pure Bedrohung auf jeder Seite.

Der eigentliche Held ist für mich fast das interessanteste Element. Ledergesicht ist nicht dieser typische „ich rette die Stadt“-Typ, sondern eher jemand, der als Werkzeug benutzt wird.

Die Idee, ihn wie eine Art maskierten Vollstrecker durch Paris springen zu lassen, hat fast etwas von einem düsteren Superheldencomic – aber eben in einer viel dreckigeren, historischeren Version. Und genau das macht es spannend: Man merkt, dass hier bewusst mit Batman-Vibes gespielt wird, aber ohne einfach nur zu kopieren.

Was ich gut finde: Die Figur bleibt moralisch nie ganz klar. Ist er Beschützer? Oder nur eine Waffe der Dritten Triade? Genau diese Unsicherheit trägt viel zur Spannung bei.

Was den Comic aber wirklich trägt, sind die Zeichnungen von Stéphane Créty. Ich habe selten so ein dynamisches Paris gesehen. Dächer, Gassen, dunkle Hinterzimmer – alles wirkt wie ein düsterer Film.

Die Perspektiven sind oft richtig spektakulär. Man hat das Gefühl, die Kamera springt ständig mit Ledergesicht durch die Stadt. Besonders die Action-Szenen auf den Dächern haben richtig Tempo, fast schon filmisch.

Und dann die Farben von Jérôme Maffre: dunkel, rau, mit starken Kontrasten. Viele Szenen wirken fast wie Gemälde aus Licht und Schatten. Gerade die Unterwelt von Paris bekommt dadurch eine richtig mystische Stimmung.

Was man dem Comic lassen muss: Er hat Stil. Dieses ganze Mix aus historischer Kulisse, Fantasy-Elementen und okkulten Symbolen ist vielleicht nicht immer leicht zu greifen, aber es schafft eine sehr eigene Welt.

Manchmal fühlt es sich an wie ein historischer Abenteuercomic, dann wieder wie Dark-Fantasy oder sogar ein bisschen wie ein Superhelden-Comic in einer alternativen Vergangenheit.

Das ist auch der Punkt, der mir besonders hängen geblieben ist: Der Comic will gar nicht „einfach“ sein. Er will groß, wild und überladen sein – und genau das ist er auch.

*Ledergesicht – Die Witwe* ist definitiv kein Comic für nebenbei. Wer etwas klar strukturiertes sucht, wird hier eher erschlagen als unterhalten.

Aber wenn man sich drauf einlässt, bekommt man eine richtig dichte, düstere und visuell beeindruckende Geschichte, die sich wie ein Mix aus Historienabenteuer, Fantasy und maskiertem Rächer-Drama anfühlt.

Ich persönlich finde: Der Comic ist manchmal zu vollgestopft, aber genau dieses Übermaß macht auch seinen Reiz aus. Es ist kein glattes Werk – eher ein brodelndes, chaotisches Paris-Puzzle mit ziemlich viel Atmosphäre.

Und ganz ehrlich: Ich will jetzt unbedingt wissen, wie das im dritten Band endet.

Ledergesicht Band 1

Ledergesicht Band 1
Zeichner/Autor: Créty - Pevel - Maffre
Ot.: Gueule de cuir 1
20,00 €
Einband: Hardcover
Seitenzahl: 64
Format: 32 x 24 x 0,8 cm (HxBxT)
ISBN: 9783949987632
Zack Edition

Gueule de cuir entführt den Leser in eine alternative Version des 17. Jahrhunderts – ein Frankreich, das von Magie durchdrungen ist, wo Intrigen, Fechtszenen und dunkle Geheimnisse Hand in Hand gehen.

Im Zentrum steht der mysteriöse Held Gueule de cuir („Lederfratze“), ein Mann, dessen Gesicht hinter einer Maske verborgen bleibt und dessen Vergangenheit von Verrat und dunkler Magie gezeichnet ist. Als ehemaliger Musketier und Spion wird er in ein gefährliches Spiel aus Politik, Krieg und übernatürlichen Bedrohungen verwickelt, das die Zukunft des Reiches entscheiden könnte.

Pierre Pevel, bekannt für seine Les Lames du Cardinal und andere Romane mit fantastischer Historie, bleibt auch hier seiner großen Stärke treu: Er verbindet historische Genauigkeit mit phantastischen Elementen auf so natürliche Weise, dass die Grenzen zwischen realer Geschichte und Magie mühelos verschwimmen.

Gueule de cuir wirkt wie eine Hommage an klassische Mantel-und-Degen-Romane à la Dumas, ergänzt durch eine düstere, fast barocke Magie. Pevel erschafft komplexe Charaktere, insbesondere Gueule de cuir selbst: Er ist kein glatter Held, sondern eine gebrochene Figur, deren Loyalität immer wieder auf die Probe gestellt wird.

Die Dialoge sind pointiert, oft mit feiner Ironie gewürzt, und die Handlung entwickelt sich dynamisch, aber mit genug Zeit für Charakterentwicklung und atmosphärische Weltenbildung.

Stéphane Créty liefert eine herausragende visuelle Umsetzung. Seine Zeichnungen sind detailliert und atmosphärisch dicht. Besonders beeindruckend sind die prachtvollen Stadtansichten, die prächtigen Kostüme und die feinen Mimikstudien der Figuren. Crétys Panelgestaltung ist abwechslungsreich und klar – Actionsequenzen sind dynamisch, ruhige Dialoge werden durch gezielten Einsatz von Licht und Schatten verstärkt.

Das Farbschema ist überwiegend gedeckt und erdig, was der Geschichte einen passenden, leicht melancholischen Grundton verleiht. Gerade in der Darstellung von Gassen, Gasthäusern und Schlössern spürt man Crétys Liebe zum Detail.

Gueule de cuir reiht sich nahtlos ein in die Tradition hochwertiger französischer Fantasy-Comics wie Les Arcanes de Naheulbeuk oder Servitude, hebt sich aber durch seinen starken Bezug zur realen Geschichte und die raffinierte Erzählweise ab. Es ist spürbar, dass hier ein Romanautor und ein routinierter Zeichner Hand in Hand arbeiten, um eine komplexe, glaubwürdige Welt zu schaffen.

Gueule de cuir – Tome 1 ist ein fesselnder Auftakt zu einer vielversprechenden Serie: eine perfekte Mischung aus historischem Abenteuer, dunkler Fantasy und Charakterdrama. Pevels meisterhafte Erzählkunst und Crétys elegante, stimmungsvolle Zeichnungen machen diesen Comic zu einem Muss für Liebhaber von Mantel-und-Degen-Stoffen und anspruchsvoller Fantasy.

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