Kult

Pichelsteiner 1

Pichelsteiner Gesamtausgabe 1
Autor und Zeichnung:
Branimir Karabajić
Riccardo Rinaldi
Tiberio Colantuoni
Hardcover im Format 282x212 mm, 232 Seiten
55,00 €
ISBN 978-3-96430-430-8
Kult Verlag

Mit Pichelsteiner 1 liegt eine ebenso gewichtige wie liebevoll edierte Zeitkapsel vor, die den Geist der Jahre 1966 bis 1968 atmet. Die frühen Abenteuer, gestaltet von Riccardo Rinaldi, Branimir Karabajić und Tiberio Colantuoni, zeigen eine Serie im Werden. Man spürt in jeder Geschichte den experimentellen Impuls, das Ausloten von Tonfall und Figurenkonstellation, das Suchen nach Rhythmus und grafischer Eigenständigkeit.

Inhaltlich bewegen sich die Pichelsteiner noch in einem raueren, weniger festgelegten Kosmos. Die Konflikte mit den Kriegern der feindlichen Queen oder den von Fürst Gol beherrschten Gallensteinern besitzen einen märchenhaft-archaischen Zug, zugleich aber auch den schelmischen Unterton, der später stärker ausgeprägt sein sollte. Diese Frühphase lebt von einer ungebändigten Energie. Panels wirken manchmal noch etwas kantig, Gags sitzen nicht immer punktgenau, doch gerade darin liegt der Reiz. Man erlebt eine Serie, die ihre Identität formt.

Grafisch ist der Band besonders spannend, weil sich die Handschriften der drei Zeichner deutlich unterscheiden. Rinaldis Seiten bestechen durch klare Linien und eine fast klassische Panelarchitektur, während Karabajić mehr Bewegung und expressive Mimik einbringt. Colantuoni schließlich verleiht dem Ganzen eine eigene Dynamik, die Figuren elastischer und Szenen verspielter erscheinen lässt. Das Integral macht diese Unterschiede sichtbar, ohne die Serie auseinanderfallen zu lassen. Stattdessen entsteht ein vielschichtiges Bild eines kreativen Kollektivs.

Die editorischen Beiträge verleihen dem Band zusätzliche Tiefe. Die Dokumentation der Restaurierungsarbeiten offenbart, wie viel Sorgfalt in die Wiederaufbereitung geflossen ist. Farben wurden behutsam rekonstruiert, Linien geschärft, ohne den historischen Charakter zu verfälschen. Dadurch wirken die Seiten frisch, behalten aber ihre Patina. Auch die Abdrucke von Anzeigen und der erste One-Pager aus Lupo Modern schaffen Kontext und vermitteln ein Gefühl für die Publikationskultur jener Jahre.

Dieses Integral ist keine bloße Nostalgieausgabe. Es ist ein sorgfältig kuratiertes Stück Comicgeschichte, das die Anfänge einer Serie transparent macht und zugleich als eigenständiges Leseerlebnis funktioniert. Wer sich für die Entwicklung europäischer Abenteuercomics interessiert, findet hier reiches Material, das über den reinen Unterhaltungswert hinausgeht.

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