Batman Die Chroniken des dunklen Ritters

21 Noël

Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters Ausgabe 21: Noël
Enthält: Batman: Noël
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Mit Batman: Noël erschafft Lee Bermejo weit mehr als nur eine weitere Batman-Geschichte. Der Band ist gleichzeitig Hommage an Charles Dickens’ Eine Weihnachtsgeschichte, melancholisches Charakterdrama und visuelles Kunstwerk von außergewöhnlicher Schönheit. Selten zuvor wurde Gotham City derart atmosphärisch, düster und zugleich märchenhaft dargestellt.

Die Handlung folgt Batman während einer eisigen Weihnachtsnacht. Während der Dunkle Ritter Jagd auf den Joker macht, wird er zunehmend mit den Konsequenzen seines eigenen Handelns konfrontiert. Wie Ebenezer Scrooge in Dickens’ Klassiker begegnet Batman verschiedenen Figuren und „Geistern“, die ihn zwingen, über Angst, Schuld und Menschlichkeit nachzudenken. Dabei verbindet Bermejo klassische Weihnachtsmotive mit dem urbanen Mythos Gotham Citys auf erstaunlich elegante Weise.

Die größte Stärke des Bandes liegt jedoch zweifellos in seiner visuellen Gestaltung. Lee Bermejos Bilder sind schlicht atemberaubend. Jede Seite wirkt wie ein aufwendig gemaltes Gemälde voller Details, Lichtreflexe und feinster Schattierungen. Gotham erscheint nicht nur als düstere Großstadt, sondern beinahe wie ein lebender Organismus aus Schnee, Nebel, Neonlicht und Schatten.

Besonders beeindruckend ist die Art, wie Bermejo mit Licht arbeitet. Weihnachtsbeleuchtung spiegelt sich auf nassen Straßen, Schneeflocken treiben durch kalte Häuserschluchten und Batmans schwarzer Umhang verschmilzt förmlich mit der Dunkelheit der Nacht. Gleichzeitig besitzen die Figuren eine enorme physische Präsenz: zerfurchte Gesichter, realistische Stoffstrukturen und intensive Mimik verleihen dem Comic eine fast filmische Wirkung.

Auch der Joker profitiert enorm von Bermejos Stil. Seine Erscheinung schwankt zwischen groteskem Wahnsinn und tragischer Gestalt, wodurch er gleichzeitig verstörend und faszinierend wirkt. Jede Szene mit ihm entwickelt eine unangenehme Spannung, weil sein Lächeln wie eine Fratze aus einem düsteren Weihnachtsalbtraum erscheint.

Inhaltlich ist Batman: Noël bewusst ruhiger als viele klassische Batman-Comics. Der Fokus liegt weniger auf Action als auf Atmosphäre und emotionaler Reflexion. Gerade dadurch funktioniert die Geschichte so gut. Sie zeigt Batman nicht nur als Rächer, sondern als gebrochenen Menschen, der Gefahr läuft, seine eigene Menschlichkeit zu verlieren.

Die Verbindung aus Dickens-Adaption und Batman-Mythologie mag auf dem Papier ungewöhnlich klingen, funktioniert jedoch erstaunlich organisch. Bermejo gelingt eine zeitlose Geschichte über Mitgefühl, Isolation und Erlösung, ohne jemals kitschig zu werden.

Batman: Noël ist deshalb nicht nur ein hervorragender Batman-Comic, sondern vor allem ein außergewöhnliches Kunstwerk, das man immer wieder durchblättern möchte – allein schon wegen seiner phantastischen, beinahe magischen Bilderwelt

22 Dark Victory

Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters Ausgabe 22: Dark Victory
Enthält: Batman: Dark Victory 0–13.
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Nach dem gefeierten The Long Halloween lieferten Jeph Loeb und Tim Sale mit Dark Victory die direkte Fortsetzung und gleichzeitig eine der besten Detektivgeschichten der gesamten Batman-Historie. Der Comic verbindet klassischen Noir-Krimi mit tragischem Familiendrama und der düsteren Gothic-Atmosphäre, die Batman in seinen besten Momenten auszeichnet.

Die Handlung setzt kurz nach den Ereignissen von The Long Halloween ein. Gotham wird erneut von einer Mordserie erschüttert, während Batman versucht, einen Killer zu stoppen, der Polizisten ermordet und kryptische Hinweise hinterlässt. Gleichzeitig zerbrechen Loyalitäten innerhalb der Polizei und der Unterwelt zunehmend, sodass Batman kaum noch weiß, wem er vertrauen kann.

Jeph Loeb erzählt die Geschichte mit großer Geduld und viel Gespür für Spannung. Der Comic lebt weniger von spektakulären Actionmomenten als von seiner permanenten Atmosphäre aus Misstrauen und drohendem Unheil. Fast jede Figur scheint Geheimnisse zu verbergen, und genau dieses Netz aus Intrigen macht Dark Victory so fesselnd.

Besonders stark ist die Einführung von Dick Grayson. Seine Entwicklung vom traumatisierten Waisenjungen zum ersten Robin bildet das emotionale Herz der Geschichte. Dadurch erhält Batman selbst neue Tiefe: Er wird nicht nur als einsamer Rächer dargestellt, sondern als Mensch, der lernen muss, Verantwortung und Nähe zuzulassen.

Visuell gehört Dark Victory zu Tim Sales besten Arbeiten. Sein Stil ist stark stilisiert, beinahe expressionistisch, und gerade deshalb perfekt für Gotham City geeignet. Lange Schatten, verzerrte Perspektiven und extreme Kontraste erzeugen eine einzigartige düstere Märchenatmosphäre. Jede Figur besitzt sofort wiedererkennbare Silhouetten und überzeichnete Gesichtszüge, die den Comic gleichzeitig surreal und ikonisch wirken lassen.

Vor allem die Splashpages und Nachtszenen entwickeln enorme Wirkung. Gotham erscheint wie eine Stadt, die ständig zwischen Realität und Albtraum schwankt. Tim Sale zeichnet kein realistisches New York-Abbild, sondern eine symbolische Welt voller Dunkelheit, Regen und Tragik.

Auch die Schurken erhalten starke Momente. Two-Face steht dabei besonders im Mittelpunkt und wird als zutiefst tragische Figur inszeniert. Seine innere Zerrissenheit spiegelt perfekt das zentrale Thema der Geschichte wider: den Kampf zwischen Hoffnung und Finsternis.

Dark Victory ist nicht nur ein klassischer Batman-Comic, sondern ein meisterhaft erzählter Kriminalroman in Comicform. Die Geschichte verbindet Spannung, Charakterentwicklung und Atmosphäre auf höchstem Niveau und gehört völlig zurecht zu den großen Meilensteinen der Batman-Geschichte.
14 Hefte in einen Buch, Preis/Leistung unschlagbar

23 Die Hochzeit

Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters Ausgabe 23: Die Hochzeit
Enthält: Batman (2016) 45-50, DC Nation 0.
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Tom Kings Die Hochzeit gehört zu den emotionalsten und kontroversesten Batman-Geschichten der letzten Jahre. Der Band konzentriert sich weniger auf klassische Superhelden-Action als auf die Frage, ob Bruce Wayne überhaupt zu einem glücklichen Leben fähig ist.

Im Mittelpunkt steht natürlich die Beziehung zwischen Batman und Catwoman. Über Jahrzehnte hinweg waren beide Rivalen, Liebende und Spiegelbilder voneinander. Tom King nutzt diese Dynamik, um eine sehr persönliche Geschichte über Angst, Einsamkeit und emotionale Verletzlichkeit zu erzählen.

Die eigentliche Hochzeit bildet dabei eher den emotionalen Rahmen als den Kern der Handlung. Viel wichtiger ist die Entwicklung der Beziehung zwischen Bruce und Selina. Beide Figuren wirken hier ungewöhnlich menschlich und verletzlich. Besonders gelungen ist, wie King zeigt, dass Batman nicht nur gegen Verbrecher kämpft, sondern vor allem gegen seine eigenen inneren Dämonen.

Der Band lebt stark von seinen Dialogen und intimen Charaktermomenten. Viele Szenen besitzen beinahe romantische Ruhe, bevor plötzlich Chaos oder Gewalt hereinbrechen. Gerade dieser Kontrast macht die Geschichte interessant. Gleichzeitig spielt Tom King bewusst mit der langen Historie der Figuren und deren komplizierter emotionaler Bindung.

Booster Gold und Joker sorgen zusätzlich für Eskalation und emotionale Unsicherheit. Vor allem der Joker erhält einige intensive Szenen, in denen deutlich wird, wie sehr er Batmans Beziehung zu Catwoman als Bedrohung seiner eigenen Verbindung zum Dunklen Ritter empfindet.

Visuell überzeugt der Band vor allem durch Mikel Janin. Seine Zeichnungen verbinden moderne Eleganz mit starker Emotionalität. Gesichter, Körpersprache und Blickkontakte transportieren oft mehr als die eigentlichen Dialoge. Besonders die ruhigeren Szenen zwischen Bruce und Selina profitieren enorm von diesem Stil.

Tony S. Daniel ergänzt den Band mit dynamischeren, actionbetonteren Sequenzen, wodurch die Geschichte visuell abwechslungsreich bleibt. Die Farbgebung unterstützt zusätzlich die emotionale Tonlage – mal kühl und melancholisch, dann wieder warm und beinahe hoffnungsvoll.

Die größte Stärke von Die Hochzeit liegt letztlich darin, dass der Comic Batman nicht als unzerstörbare Ikone behandelt, sondern als zutiefst beschädigten Menschen. Genau deshalb funktionierte die Geschichte für viele Leser so intensiv – und genau deshalb sorgte ihr Ausgang gleichzeitig für heftige Diskussionen.

Tom King erzählt hier keine klassische Superheldengeschichte, sondern ein melancholisches Drama über Liebe, Angst und die Frage, ob Menschen, die von Trauma geprägt wurden, überhaupt dauerhaft glücklich sein können. Gerade dadurch hebt sich Die Hochzeit deutlich von vielen anderen modernen Batman-Comics ab.

24 Gotham by Gaslight

Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters 24 Gotham by Gaslight
von Brian Augustyn und Meister Mike Mignola
Enthält: Gotham by Gaslight: An Alternative History of the Batman, Batman: Master of the Future.
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Mit „Gotham by Gaslight“ erschien 1989 einer der einflussreichsten Batman-Comics überhaupt. Der von Brian Augustyn geschriebene und von Mike Mignola gezeichnete Band begründete praktisch das spätere Elseworlds-Konzept bei DC und zeigte erstmals, wie faszinierend es sein kann, ikonische Helden in völlig neue historische Kontexte zu versetzen. Ergänzt wird die Ausgabe durch „Batman: Master of the Future“, das die Geschichte konsequent fortführt.

Brian Augustyn gehörte über viele Jahre zu den prägenden Autoren und Editoren bei DC Comics. Neben seiner Arbeit an Batman machte er sich insbesondere mit The Flash, Crimson und zahlreichen Superman-Geschichten einen Namen. Sein Gespür für klassische Abenteuer und historische Stoffe verleiht auch dieser Geschichte eine ganz besondere Atmosphäre.

Noch berühmter ist natürlich Mike Mignola, dessen unverwechselbarer Stil später mit Hellboy, B.P.R.D., Baltimore, The Amazing Screw-On Head und zahlreichen Horrorprojekten Weltruhm erlangte. Bereits in „Gotham by Gaslight“ erkennt man alle Elemente, die später zu seinem Markenzeichen wurden: monumentale Schatten, reduzierte Formen, ausdrucksstarke Silhouetten und eine düstere, beinahe expressionistische Bildsprache.

Die Handlung versetzt Batman in das viktorianische Gotham des späten 19. Jahrhunderts. Während Bruce Wayne versucht, seine Stadt vor dem Verbrechen zu schützen, erschüttert eine Mordserie die Bevölkerung. Niemand Geringeres als Jack the Ripper treibt sein Unwesen, wodurch historische Realität und Comic-Mythos auf faszinierende Weise miteinander verschmelzen. Augustyn nutzt dieses Szenario nicht nur als spannenden Kriminalfall, sondern untersucht auch, wie Batman ohne moderne Technik funktionieren würde. Statt Hightech dominieren Logik, Beobachtungsgabe und klassische Detektivarbeit.

„Master of the Future“ erweitert diese alternative Welt um weitere Steampunk-Elemente und orientiert sich lose an den Romanen von Jules Verne. Luftschiffe, futuristische Maschinen und viktorianische Technik verleihen dem zweiten Abenteuer einen deutlich größeren Abenteuercharakter, ohne die düstere Grundstimmung zu verlieren.

Mignolas Zeichnungen sind bis heute zeitlos. Seine massiven Schattenflächen, kantigen Figuren und die gotische Architektur verleihen Gotham eine Atmosphäre, die zwischen Horrorfilm, Sherlock-Holmes-Abenteuer und klassischem Universal-Monsterfilm pendelt. Jede Seite wirkt wie eine sorgfältig komponierte Illustration.

Fazit: „Gotham by Gaslight“ gehört zu den wichtigsten Batman-Geschichten überhaupt. Brian Augustyn verbindet historische Kriminalgeschichte mit Superhelden-Mythologie, während Mike Mignola bereits hier den Stil entwickelt, der ihn später mit Hellboy zur Comic-Legende machen sollte. Eine atmosphärisch dichte, zeitlose Erzählung, die auch Jahrzehnte nach ihrer Erstveröffentlichung nichts von ihrer Faszination verloren hat.

25 Hush

2Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters 25 Hush
von Jeph Loeb, gezeichnet von Jim Lee
Enthält: Batman (1940) 608-619
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Kaum eine Batman-Geschichte hat das moderne Bild des Dunklen Ritters so nachhaltig geprägt wie „Hush“. Als die zwölfteilige Serie Anfang der 2000er erschien, entwickelte sie sich sofort zu einem Klassiker und gilt bis heute als idealer Einstieg in Batmans Welt.
Autor Jeph Loeb gehört zu den erfolgreichsten Batman-Autoren überhaupt. Gemeinsam mit Tim Sale schuf er die modernen Klassiker Batman: The Long Halloween, Dark Victory, Catwoman: When in Rome und Superman for All Seasons. Auch bei Marvel feierte er mit Spider-Man: Blue, Daredevil: Yellow, Hulk: Gray und Captain America: White große Erfolge.

Zeichner Jim Lee zählt zu den größten Superheldenkünstlern aller Zeiten. Nach seinem kometenhaften Aufstieg bei den X-Men, der Mitgründung von Image Comics und Erfolgsserien wie WildC.A.T.s kehrte er zu DC zurück und definierte mit „Hush“ das moderne Erscheinungsbild Batmans neu. Später zeichnete er unter anderem Batman: Europa, Justice League und den kompletten DC-New-52-Neustart.
Loeb erzählt eine Geschichte, in der nahezu sämtliche wichtigen Figuren aus Batmans Universum auftreten. Joker, Poison Ivy, Killer Croc, Harley Quinn, Scarecrow, Ra's al Ghul, Clayface und viele weitere Schurken ziehen scheinbar unabhängig voneinander die Fäden. Gleichzeitig entwickelt sich die Beziehung zwischen Batman und Catwoman zu einem emotionalen Mittelpunkt der Geschichte. Hinter allem steht jedoch ein neuer, geheimnisvoller Gegner: Hush.

Die große Stärke von „Hush“ liegt weniger in der eigentlichen Enthüllung des Bösewichts als vielmehr in der perfekten Mischung aus Krimi, Action, Charakterstudie und Fanservice. Loeb versteht es meisterhaft, nahezu jede wichtige Figur sinnvoll einzubauen, ohne dass die Handlung überladen wirkt.
Jim Lees Zeichnungen gehören zu den schönsten Batman-Arbeiten überhaupt. Seine dynamischen Figuren, die spektakulären Doppelseiten und die unglaubliche Detailfülle verleihen jeder Szene epische Dimensionen. Batman wirkt kraftvoll, elegant und bedrohlich zugleich. Auch heute, mehr als zwanzig Jahre später, hat die Serie kaum etwas von ihrer visuellen Wirkung verloren.

Die Druckqualität der Chroniken-Ausgabe überzeugt erneut mit kräftigen Farben und scharfer Wiedergabe der aufwendigen Zeichnungen.
Fazit: „Hush“ ist modernes Batman in Perfektion. Jeph Loeb liefert einen spannenden Thriller voller Überraschungen, während Jim Lee eine der beeindruckendsten grafischen Arbeiten der Batman-Geschichte abliefert. Ein absoluter Klassiker, der in keiner Batman-Sammlung fehlen darf.

26 R.I.P.

Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters 26 R.I.P.
von Grant Morrison
Enthält: Batman (1940) 676-683 und Material aus DC Universe
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Mit „Batman R.I.P.“ erreichte Grant Morrisons monumentale Batman-Saga ihren ersten großen Höhepunkt. Die Geschichte ist weniger klassischer Superheldencomic als psychologischer Albtraum und fordert ihre Leser auf jeder einzelnen Seite.
Grant Morrison zählt zu den einflussreichsten Comicautoren der vergangenen Jahrzehnte. Zu seinen bekanntesten Werken gehören All-Star Superman, Animal Man, Doom Patrol, JLA, The Invisibles, Seven Soldiers, New X-Men sowie seine umfangreiche Batman-Saga. Kaum ein anderer Autor verbindet Popkultur, Philosophie und Metaebenen so konsequent wie Morrison.
In „R.I.P.“ versucht der geheimnisvolle Black Glove, Bruce Wayne nicht körperlich, sondern geistig zu vernichten. Seine Identität, seine Erinnerungen und letztlich seine gesamte Existenz werden systematisch zerstört. Morrison stellt dabei die Frage, ob Batman überhaupt besiegt werden kann, solange Bruce Wayne bereit ist, sich selbst vollständig aufzugeben.
Die Geschichte verlangt Aufmerksamkeit. Zahlreiche Anspielungen auf frühere Batman-Abenteuer, psychologische Symbolik und versteckte Hinweise machen „R.I.P.“ zu einem Werk, das bei jedem erneuten Lesen neue Details offenbart. Gleichzeitig gelingt Morrison eine intensive Charakterstudie, in der Bruce Wayne an seine absoluten Grenzen geführt wird.
Visuell überzeugt der Band durch eine abwechslungsreiche Riege von Zeichnern, deren Arbeiten hervorragend zur surrealen Atmosphäre passen. Realität und Wahnsinn verschwimmen zunehmend miteinander, wodurch der Leser Batmans geistigen Verfall unmittelbar miterlebt.
Die Chroniken-Ausgabe enthält zusätzlich Material aus DC Universe, wodurch Morrisons Gesamtkonzept besser nachvollziehbar wird.
Fazit: „Batman R.I.P.“ gehört zu den anspruchsvollsten Batman-Geschichten überhaupt. Grant Morrison liefert einen außergewöhnlichen Mix aus Psychothriller, Symbolismus und Superhelden-Mythologie. Wer sich auf diese ungewöhnliche Erzählweise einlässt, erlebt eine faszinierende und tiefgründige Interpretation des Dunklen Ritters.

27: Die Stadt der Eulen

Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters 27: Die Stadt der Eulen
Enthält: Batman (2011) 8-12, Batman Annual (2011) 1.
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Mit Die Stadt der Eulen erreicht Scott Snyders erste große Batman-Saga ihren Höhepunkt. Nachdem Bruce Wayne erkennen musste, dass der geheimnisvolle Rat der Eulen keineswegs nur eine alte Gotham-Legende ist, beginnt dessen eigentlicher Angriff auf die Stadt.

Die Talons werden losgeschickt, um wichtige Persönlichkeiten Gothams zu ermorden. Plötzlich findet der Kampf nicht mehr irgendwo im Verborgenen statt. Der Rat greift Batman und seine Verbündeten gleichzeitig an und demonstriert damit, wie tief er seit Generationen in Gotham verwurzelt ist.

Gerade die Vorstellung, dass Bruce seine Heimatstadt eben doch nicht so gut kennt, wie er immer geglaubt hat, macht diese Geschichte so stark. Batman betrachtet Gotham als seine Stadt. Er kennt ihre Straßen, ihre Geschichte und ihre Geheimnisse – zumindest glaubt er das. Snyder nimmt ihm genau diese Gewissheit.

Besonders persönlich wird die Geschichte durch Lincoln March und dessen Behauptungen über die Familie Wayne. Snyder spielt geschickt mit der Möglichkeit, dass selbst Bruce' eigene Familiengeschichte Geheimnisse enthalten könnte, die ihm verborgen geblieben sind.

Das enthaltene Annual bringt außerdem Mr. Freeze ins Spiel und präsentiert eine moderne Interpretation seiner Herkunft. Auch hier zeigt sich Snyders Ansatz: Bekannte Bestandteile des Batman-Mythos werden nicht einfach wiederholt, sondern neu zusammengesetzt.

Die Zeichnungen von Greg Capullo gehören für mich ohnehin zu den großen Stärken dieser Batman-Ära. Sein Batman wirkt massiv und bedrohlich, seine Actionszenen besitzen enorme Energie und seine Version von Gotham verbindet moderne Architektur mit klassischer Düsternis.

Die Stadt der Eulen ist damit weit mehr als nur der Abschluss einer großen Schlacht. Snyder greift Batmans vielleicht größte Überzeugung an – dass er Gotham kennt und kontrollieren kann. Der Rat der Eulen beweist ihm das Gegenteil.

Für mich bleibt die gesamte Eulen-Saga einer der Höhepunkte der New-52-Ära und eine der besten neuen Ergänzungen zur Batman-Mythologie der vergangenen Jahrzehnte.

28 Gotham Central

Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters 28 Gotham Central
Enthält: Gotham Central 1-10
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Gotham Central gehört für mich zu den besten Batman-Comics, obwohl Batman selbst hier nur eine Nebenrolle spielt.

Ed Brubaker und Greg Rucka stellen eine einfache, aber großartige Frage: Wie arbeitet eine normale Mordkommission in einer Stadt, in der Verbrecher wie Mr. Freeze herumlaufen und jederzeit ein Mann im Fledermauskostüm auftauchen kann?

Im Mittelpunkt stehen die Polizisten des Gotham City Police Department. Detectives wie Marcus Driver, Renee Montoya und Crispus Allen müssen Mordfälle lösen, Verdächtige verhören und Beweise sammeln. Eigentlich klassische Polizeiarbeit – nur eben in Gotham.

Schon der Auftakt zeigt, wie gefährlich das ist. Eine scheinbar gewöhnliche Ermittlung führt zu Mr. Freeze und macht schlagartig deutlich, wie hilflos selbst erfahrene Polizisten gegenüber Batmans Gegnern sein können. Gleichzeitig wollen die Detectives nicht bei jedem ungewöhnlichen Fall einfach das Bat-Signal einschalten. Batman mag ihnen helfen können, doch jedes Mal bedeutet das auch das Eingeständnis, dass die Polizei ihre eigene Stadt nicht unter Kontrolle hat.

Noch stärker wird der Band mit der Geschichte um Renee Montoya. Hier beweist Gotham Central, dass die Serie weit mehr als ein cleveres Batman-Nebenprojekt ist. Die persönlichen Konsequenzen eines Falls können genauso brutal sein wie jede Begegnung mit einem Superschurken.

Brubaker und Rucka schreiben das Ganze wie eine hervorragende Crime-Serie. Batman bleibt bewusst im Hintergrund. Wenn er erscheint, sehen wir ihn aus der Perspektive gewöhnlicher Menschen – und plötzlich wirkt er wieder geheimnisvoll, unheimlich und beinahe übermenschlich.

Dazu passen die Zeichnungen von Michael Lark perfekt. Sein nüchterner, realistischer Stil erinnert eher an einen klassischen Polizeithriller als an einen typischen Superheldencomic. Büros, Verhörräume und nächtliche Straßen bestimmen das Bild.

Für mich ist Gotham Central ein Meisterwerk und eine der besten Serien, die jemals im Umfeld Batmans entstanden sind. Gerade weil Batman nicht im Mittelpunkt steht, versteht man anschließend besser, was es eigentlich bedeutet, in Gotham zu leben und dort als Polizist jeden Morgen zur Arbeit zu gehen.

Drücken wir alle die Daumen, das die gesamte Serie in drei Büchern komplett veröffentlicht wird.

29 Batman - Metal

Batman - Die Chroniken des dunklen Ritters 29 Batman - Metal
Enthält: Dark Nights: Metal 1-6
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Wenn Gotham Central die bodenständige Seite des Batman-Universums repräsentiert, ist Dark Nights: Metal praktisch das genaue Gegenteil. Scott Snyder und Greg Capullo drehen sämtliche Regler bis zum Anschlag und machen aus Batman den Mittelpunkt eines gigantischen DC-Multiversums-Spektakels.

Ausgangspunkt ist die Entdeckung des Dunklen Multiversums, einer alptraumhaften Gegenwelt voller gescheiterter Realitäten. Batman erkennt, dass verschiedene Ereignisse seiner Vergangenheit miteinander verbunden sind und er selbst eine zentrale Rolle in einem Plan spielt, der weit über Gotham hinausgeht.

Dann erscheint Barbatos.

Mit ihm gelangen verdorbene Batman-Versionen aus dem Dunklen Multiversum in die bekannte Realität. Besonders herausragt natürlich The Batman Who Laughs, eine Mischung aus Batman und Joker, die sich nach Metal zu einer der bekanntesten neuen DC-Figuren entwickeln sollte. Doch auch die anderen dunklen Batmen basieren auf der Frage, was geschehen wäre, wenn Bruce in entscheidenden Momenten vollkommen andere Entscheidungen getroffen hätte.

Snyder wirft dabei praktisch alles in einen Topf: Batman-Mythologie, kosmische DC-Geschichte, Multiversum, Justice League, uralte Metalle und jede Menge vollkommen verrückte Ideen. Subtil ist daran überhaupt nichts – und genau das soll es auch nicht sein.

Greg Capullo ist dafür der perfekte Zeichner. Seine ohnehin kraftvolle Batman-Version kann sich hier vollkommen austoben. Riesige Monster, bizarre Parallelwelten und spektakuläre Schlachten folgen aufeinander. Capullo versucht gar nicht erst, das Geschehen realistisch erscheinen zu lassen. Metal soll groß, laut und völlig überdreht sein.

Das ist gleichzeitig seine Stärke und seine Schwäche. Wer einen klassischen Detektiv-Batman sucht, ist hier vollkommen falsch. Teilweise wird die Mythologie so gewaltig aufgeblasen, dass man sich nach einem einfachen Mordfall in Gotham sehnen könnte. Wer sich darauf einlässt, bekommt dagegen eines der hemmungslosesten Batman-Events der jüngeren DC-Geschichte.

Für mich erreicht Metal nicht die Klasse von Snyders Eulen-Saga, macht aber auf seine vollkommen andere Art enorm viel Spaß. Snyder und Capullo hatten offensichtlich den Ehrgeiz, nach ihrer regulären Batman-Serie noch einmal sämtliche Grenzen zu sprengen.

Und das ist ihnen gelungen: Dark Nights: Metal ist Batman als Heavy-Metal-Album – laut, düster, maßlos und mit voller Absicht völlig verrückt.

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