Die fünf Geächteten
Die fünf Geächteten
Originaltitel: Hour of the Gun
USA 1967
Regie: John Sturges
Darsteller: James Garner, Jason Robards, Robert Ryan, Albert Salmi
Laufzeit: ca. 101 Minuten
Bildformat: 2,35:1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Ton: DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel: Deutsch
Pidax Western-Klassiker
Die Schießerei am O.K. Corral gehört zu den großen Legenden des amerikanischen Westens und wurde entsprechend häufig verfilmt. John Sturges hatte sich bereits zehn Jahre zuvor in Zwei rechnen ab mit Wyatt Earp, Doc Holliday und dem berühmten Duell beschäftigt. Mit Die fünf Geächteten kehrte er 1967 noch einmal zu den Ereignissen zurück, diesmal allerdings mit einem völlig anderen Ansatz. Statt romantischer Westernlegende erwartet uns ein düsterer, erwachsener Film über die Folgen der Gewalt.
Die berühmte Schießerei bildet hier nicht den Höhepunkt, sondern praktisch den Ausgangspunkt. Wyatt Earp und seine Brüder haben gemeinsam mit Doc Holliday gegen die Clantons gekämpft, doch damit ist der Konflikt keineswegs beendet. Ike Clanton will Rache. Morgan Earp wird ermordet, Virgil schwer verletzt. Für Wyatt wird aus dem Kampf um Recht und Gesetz zunehmend eine persönliche Angelegenheit.
James Garner spielt diesen Wyatt Earp bemerkenswert zurückgenommen. Sein Earp ist kein strahlender Westernheld. Er versucht zunächst, sich an das Gesetz zu halten, muss aber erleben, wie wenig dieses Gesetz gegen seine Gegner ausrichten kann. Mit jedem weiteren Verlust verschiebt sich die Grenze zwischen dem Gesetzeshüter Wyatt Earp und einem Mann, der nur noch Vergeltung sucht.
Genau darin liegt für mich die große Stärke des Films. Die fünf Geächteten erzählt nicht einfach eine weitere Heldengeschichte über Wyatt Earp. Sturges interessiert sich für die Frage, was aus einem Gesetzeshüter wird, wenn er beginnt, das Recht selbst in die Hand zu nehmen.
An seiner Seite steht Doc Holliday, hervorragend gespielt von Jason Robards. Die Beziehung zwischen Earp und Holliday bildet das emotionale Zentrum des Films. Holliday ist krank, zynisch und weiß sehr genau, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Trotzdem folgt er Wyatt.
Robards macht aus ihm keinen romantischen Revolverhelden. Sein Holliday wirkt erschöpft und vom Leben gezeichnet, besitzt aber gleichzeitig einen trockenen Humor und eine enorme Präsenz. Gerade im Zusammenspiel mit dem kontrollierten Garner funktioniert das ausgezeichnet.
Robert Ryan ist als Ike Clanton ebenfalls hervorragend besetzt. Er muss keinen ständig tobenden Bösewicht spielen. Seine bloße Anwesenheit reicht häufig aus, um eine Bedrohung aufzubauen. Clanton zieht im Hintergrund die Fäden, während seine Männer die eigentliche Gewalt ausführen.
Die fünf Geächteten entstand 1967 zu einem interessanten Zeitpunkt für den amerikanischen Western. Der klassische Hollywoodwestern befand sich im Wandel, während der Italowestern bereits gezeigt hatte, dass der Westen wesentlich schmutziger, brutaler und moralisch zweifelhafter dargestellt werden konnte.
Auch Sturges entfernt sich hier deutlich vom romantischen Bild des Westens. Seine Figuren bewegen sich in einer Welt, in der Recht und Gerechtigkeit längst nicht dasselbe bedeuten. Wyatt Earp besitzt zwar einen Sheriffstern und politische Unterstützung, doch irgendwann stellt sich die Frage, ob seine Handlungen tatsächlich noch der Durchsetzung des Gesetzes dienen.
Die Inszenierung ist entsprechend nüchtern. Sturges braucht keine permanente Action. Viele Szenen leben von Gesprächen, Blicken und dem Wissen, dass die nächste Gewalttat jederzeit erfolgen kann. Wenn geschossen wird, geschieht es schnell und ohne übertriebene Heldenpose.
Auch visuell funktioniert der Film hervorragend. Das breite 2,35:1-Format nutzt Sturges für Landschaften und sorgfältig komponierte Gruppenaufnahmen. Menschen wirken in diesen weiten Räumen teilweise erstaunlich klein, was gut zur zunehmend melancholischen Stimmung passt.
Die Bildqualität kann bei einer guten HD-Präsentation von diesem Format besonders profitieren. Landschaften, Gesichter, Kleidung und Gebäude bieten zahlreiche feine Strukturen. Wichtig ist dabei ein natürlicher filmischer Eindruck. Ein Western von 1967 sollte seine analoge Struktur behalten und nicht durch übermäßige Filterung künstlich geglättet werden.
Die Farben sind eher natürlich und erdig gehalten. Braun-, Sand- und Grautöne passen zur ernsten Atmosphäre des Films. Gerade die Außenaufnahmen profitieren von einer sauberen Kontrastdarstellung und einer guten Durchzeichnung der Landschaft.
Der DTS-HD-Master-Audio-2.0-Ton in Deutsch und Englisch entspricht dem Alter und Charakter des Films. Die Dialoge stehen klar im Vordergrund, während Musik, Schüsse und Umgebungsgeräusche sauber wiedergegeben werden. Eine moderne Surroundbearbeitung wäre hier nicht notwendig. Die ursprüngliche, direkte Klangcharakteristik passt wesentlich besser.
Die fünf Geächteten ist kein Western für Zuschauer, die alle paar Minuten eine große Schießerei erwarten. Sturges interessiert sich stärker für seine Figuren und für die Konsequenzen der Gewalt. Gerade dadurch besitzt der Film heute noch eine erstaunliche Wirkung.
James Garner liefert eine seiner interessantesten Westernrollen, Jason Robards ist ein großartiger Doc Holliday und Robert Ryan verleiht Ike Clanton die notwendige Bedrohlichkeit. Vor allem aber weigert sich Sturges, Wyatt Earps Rachefeldzug einfach als Heldentat zu feiern.
Das macht Die fünf Geächteten zu einem starken Spätwestern der 1960er-Jahre: melancholisch, hervorragend gespielt und deutlich ambivalenter, als es der deutsche Titel vermuten lässt.