Dario Argento - The Card Player (Mediabook, 4K-UHD
Dario Argento - The Card Player (Mediabook, 4K-UHD+2 Blu-rays)
Italien 2004
Regie: Dario Argento
Darsteller: Stefania Rocca, Liam Cunningham, Silvio Muccino, Fiore Argento
Laufzeit: ca. 103 Minuten
Bildformat: 1,85:1
Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1
PLAION PICTURES
Dario Argento gehörte zu den Regisseuren, die den italienischen Giallo entscheidend geprägt haben. Mit The Card Player wandte er sich 2004 einer moderneren Variante des Genres zu und verband seine bekannten Themen um Mord, Beobachtung und Identität mit einer damals noch vergleichsweise neuen Bedrohung: dem Internet.
Im Mittelpunkt steht die römische Polizistin Anna Mari, gespielt von Stefania Rocca. Sie erhält eine Nachricht von einem Unbekannten, der eine Frau entführt hat und die Polizei zu einer Online-Pokerpartie herausfordert. Über eine Webcam können die Ermittler das gefesselte Opfer beobachten. Gewinnt die Polizei, soll die Frau freikommen. Verliert sie, wird sie vor laufender Kamera ermordet.
Anna hält das Ganze zunächst für einen schlechten Scherz und weigert sich, auf das Spiel einzugehen. Doch der Täter macht schnell deutlich, dass seine Drohungen ernst gemeint sind. Weitere Frauen verschwinden und der selbst ernannte Card Player zwingt die Ermittler immer wieder an den virtuellen Pokertisch.
Unterstützung erhält Anna vom irischen Polizisten John Brennan, gespielt von Liam Cunningham. Gemeinsam versuchen sie, die digitale Spur des Täters zurückzuverfolgen. Doch dieser kennt die Möglichkeiten des Internets offensichtlich besser als seine Verfolger und scheint ihnen ständig einen Schritt voraus zu sein.
Die Ausgangsidee funktioniert auch heute noch gut, obwohl die gezeigte Computertechnik inzwischen natürlich herrlich antiquiert wirkt. Gerade darin liegt mittlerweile sogar ein gewisser Reiz. The Card Player ist zu einem kleinen Zeitdokument jener Phase geworden, in der das Internet zwar bereits zum Alltag gehörte, Online-Kriminalität für viele Menschen aber noch etwas Neues und Unheimliches darstellte.
Argento nutzt die Pokerpartien geschickt als Suspense-Element. Eigentlich geschieht dabei kaum etwas: Menschen sitzen vor Computermonitoren und beobachten Karten auf einem Bildschirm. Gleichzeitig wissen sie, dass jede falsche Entscheidung einem Menschen das Leben kosten kann. Der Täter macht die Polizei damit zum unfreiwilligen Bestandteil seiner Morde.
Der klassische Giallo-Killer wird auf diese Weise ins digitale Zeitalter übertragen. Er muss nicht mehr unmittelbar neben seinem Opfer stehen, um Angst zu erzeugen. Täter, Opfer und Ermittler befinden sich an unterschiedlichen Orten und sind trotzdem durch den Computer miteinander verbunden.
The Card Player ist dabei stärker Polizeithriller als viele frühere Arbeiten Argentos. Die Ermittlungen nehmen breiten Raum ein, während die Morde weniger kunstvoll und spektakulär inszeniert werden. Dadurch wirkt der Film geradliniger und nüchterner.
Gerade Stefania Rocca trägt diese Herangehensweise überzeugend. Ihre Anna Mari ist keine zufällig in eine Mordserie hineingeratene Frau, sondern eine erfahrene Polizistin, die aktiv nach dem Täter sucht. Rocca spielt sie selbstbewusst, ohne die Figur unnötig zur unverwundbaren Heldin zu machen.
Sehr gut gefällt mir auch Liam Cunningham als John Brennan. Lange bevor er durch Game of Thrones einem weltweiten Publikum bekannt wurde, bringt er bereits hier jene ruhige Präsenz mit, die später zu einem seiner Markenzeichen werden sollte. Brennan und Anna ergänzen sich gut, und ihre Beziehung entwickelt sich angenehm zurückhaltend neben der eigentlichen Krimihandlung.
Silvio Muccino übernimmt als Remo eine ebenfalls wichtige Rolle bei den Ermittlungen, während mit Fiore Argento auch Dario Argentos älteste Tochter zum Ensemble gehört.
Nicht alles funktioniert gleichermaßen gut. Gerade im letzten Drittel hätte die Geschichte etwas raffinierter konstruiert sein dürfen, und einige Entscheidungen wirken zu bequem. Auch die Identität und Motivation des Täters besitzen nicht ganz die Wirkung, die der interessante Ausgangspunkt erwarten lässt.
Trotzdem bleibt The Card Player ein spannender Giallo, der versucht, die vertrauten Mechanismen des Genres an die technische Realität der frühen 2000er-Jahre anzupassen.
Natürlich gehört der Film nicht zur Klasse von Argentos großen Werken wie Profondo Rosso, Suspiria oder Tenebrae. Diesen Anspruch muss er aber auch nicht erfüllen. Betrachtet man ihn für sich, bekommt man einen geradlinigen und atmosphärischen Serienkiller-Thriller mit deutlichen Giallo-Wurzeln.
Die 4K-Qualität
Gerade bei einem Film aus den frühen 2000er-Jahren ist der Schritt auf UHD interessant. The Card Player besitzt eine wesentlich nüchternere Bildsprache, als man sie vielleicht mit dem Namen Dario Argento verbindet. Die Farben sind natürlicher, viele Schauplätze real und die gesamte Fotografie orientiert sich stärker am zeitgenössischen europäischen Thriller.
Die 4K-Präsentation arbeitet vor allem die vorhandenen Details besser heraus. Nahaufnahmen profitieren sichtbar. Gesichter, Haare, Kleidung und Oberflächen besitzen eine feinere Struktur, ohne dass das Bild übermäßig nachgeschärft erscheint.
Auch die zahlreichen Außenaufnahmen gewinnen. Gebäude, Straßen und Hintergründe wirken klarer definiert, wodurch das Bild insgesamt mehr Tiefe erhält. Das macht sich besonders bei gut ausgeleuchteten Einstellungen bemerkbar.
Erfreulich ist der natürliche Bildeindruck. Eine UHD eines gut 20 Jahre alten Films sollte nicht versuchen, das Material künstlich wie eine aktuelle Digitalproduktion aussehen zu lassen. Eine organische Struktur bleibt erhalten und verhindert den unangenehm glatten Eindruck, den aggressive Rauschfilter verursachen können.
Die Farbgebung bleibt bewusst zurückhaltend. Kühlere Töne passen gut zur Geschichte und insbesondere die Szenen vor den Computerbildschirmen besitzen eine sterile Atmosphäre. Die UHD kann Farben sauber voneinander trennen, ohne den ursprünglichen Look unnötig zu verändern.
Auch die dunkleren Szenen profitieren. Schwarz wirkt kräftig, während in Schattenbereichen genügend Abstufungen erhalten bleiben. Lichtquellen und hellere Objekte setzen sich klar vom Hintergrund ab und sorgen teilweise für einen plastischeren Eindruck.
The Card Player wird dadurch nicht plötzlich zur spektakulären 4K-Demonstrationsdisc. Dafür ist die ursprüngliche Bildgestaltung zu zurückhaltend. Die Verbesserung liegt vielmehr in den Feinheiten: bessere Detailzeichnung, sauberere Kontraste, differenziertere dunkle Bereiche und insgesamt mehr Bildruhe.
Gerade gegenüber älteren DVD-Ausgaben dürfte der Unterschied entsprechend groß ausfallen. Auch gegenüber einer Blu-ray bietet die UHD Vorteile, ohne den Charakter des Films grundlegend zu verändern.
Der Ton
Deutsch, Englisch und Italienisch liegen in DTS-HD Master Audio 5.1 vor. Die Abmischung ist passend zum Film eher kontrolliert als spektakulär.
Die Dialoge sind sauber verständlich und im Frontbereich klar positioniert. Die hinteren Kanäle werden für Musik, Umgebungsgeräusche und einzelne Effekte genutzt. Besonders in den Spannungsszenen entsteht dadurch eine angenehme räumliche Atmosphäre.
Der Bass wird zurückhaltend eingesetzt und meldet sich vor allem dann, wenn die Inszenierung zusätzlichen Druck benötigt. Das passt deutlich besser zum Film als eine künstlich aufgeblasene Actionabmischung.
Interessant ist wie immer bei einer italienischen Produktion auch die italienische Fassung, sodass sich ein Vergleich der unterschiedlichen Sprachversionen durchaus lohnt.
Die Extras
PLAION stattet das Mediabook mit einer Reihe von Bonusmaterialien aus. Neben verschiedenen Interviews gibt es Behind-the-Scenes-Aufnahmen, Promos und weiteres Material rund um die Produktion.
Gerade die Interviews sind interessant, weil sie Einblicke in eine Phase von Argentos Karriere geben, in der sich die Bedingungen des italienischen Genrekinos längst grundlegend verändert hatten.
Das Behind-the-Scenes-Material zeigt die praktische Arbeit am Set und vermittelt einen Eindruck davon, wie einzelne Szenen entstanden. Für Fans sind solche Aufnahmen häufig spannender als reine Werbefeaturettes, da man Argento und seine Mitarbeiter tatsächlich bei der Arbeit beobachten kann.
In Verbindung mit der 4K UHD und den beiden zusätzlichen Blu-rays ergibt sich ein umfangreich ausgestattetes Mediabook, das sich vor allem an Sammler und Liebhaber des italienischen Genrekinos richtet.
Fazit
The Card Player ist ein interessanter Versuch, den klassischen Giallo in die digitale Welt der frühen 2000er-Jahre zu übertragen. Die Idee, einen Serienkiller seine Opfer über Online-Pokerpartien mit der Polizei verbinden zu lassen, funktioniert gut und besitzt auch heute noch ihren Reiz – selbst wenn die damalige Computertechnik inzwischen fast nostalgisch wirkt.
Stefania Rocca überzeugt als Ermittlerin, Liam Cunningham ist ein starker Partner und Argento gelingen einige wirkungsvolle Spannungsmomente. Schwächen zeigen sich vor allem bei der Auflösung der Geschichte und einem Täter, aus dem man letztlich noch etwas mehr hätte machen können.
Die UHD präsentiert den Film in einer überzeugenden Qualität. Vor allem Feinzeichnung, Kontrast, Bildtiefe und die Darstellung dunkler Szenen profitieren, während der natürliche Charakter des Materials erhalten bleibt. Der DTS-HD-Master-Audio-5.1-Ton bietet eine saubere und angemessen räumliche Wiedergabe. Interviews, Behind-the-Scenes-Material und weitere Extras runden das umfangreiche Mediabook ab.
The Card Player gehört sicherlich nicht zu den besten Filmen Dario Argentos. Verglichen mit seinen Meisterwerken fehlt ihm die visuelle und erzählerische Raffinesse seiner großen Jahre. Als eigenständiger später Giallo funktioniert er jedoch gut: spannend, geradlinig und mit einer für seine Entstehungszeit interessanten Verbindung von klassischem Serienkillerkino und digitaler Bedrohung.
Kein Meisterwerk – aber ein guter Giallo und für Argento-Fans eine sehenswerte Wiederentdeckung in angemessener 4K-Präsentation.