Zack 320 - 329
ZACK 323
Mit Ausgabe 323 beweist ZACK Magazin erneut, wie vielseitig das Magazin heute aufgestellt ist. Während ZACK 322 stark von Finalen geprägt war, wirkt dieses Heft wie ein Aufbruch in neue Richtungen. Gleich mehrere neue Serien starten, bekannte Reihen gehen weiter, und die Mischung aus klassischen frankobelgischen Traditionen und modernen europäischen Comics funktioniert erneut hervorragend.
Besonders spannend ist der Auftakt von „Der Buckelige von Montfaucon“. Schon der erste Teil von „Unser Vater“ entfaltet eine bedrückende und schmutzige Mittelalteratmosphäre, die sofort in ihren Bann zieht. Die Serie verzichtet auf romantisierte Ritterwelt-Klischees und zeigt stattdessen ein raues, brutales Zeitalter voller religiöser Spannungen, Elend und Gewalt. Die Zeichnungen sind dabei beeindruckend detailreich und vermitteln eine fast greifbare Düsternis. Verwinkelte Gassen, schmutzige Straßen und harte Gesichter erzeugen eine intensive Stimmung, die lange nachwirkt. Inhaltlich wirkt die Serie fast wie ein düsterer Historienthriller und könnte sich zu einem der stärksten neuen Stoffe im Magazin entwickeln.
Ganz anders präsentiert sich „Harry & Platte – Feuer und Schwert“. Hier dominiert pure Abenteuerlust im besten klassischen Sinne. Die Serie versprüht sofort den Geist alter ZACK-Jahrgänge und erinnert daran, warum frankobelgische Abenteuercomics über Jahrzehnte so beliebt waren. Humor, Spannung und exotische Schauplätze greifen wunderbar ineinander. Besonders ältere Leser dürften sich hier sofort zuhause fühlen. Gleichzeitig wirkt die Serie keineswegs altmodisch, sondern eher zeitlos.
Mit Caro Morane startet zudem eine weitere neue Reihe, die bereits mit ihrer ersten Geschichte „Tempus Fugit“ neugierig macht. Natürlich weckt der Name Erinnerungen an klassische Abenteuerikonen, doch die Serie besitzt genug Eigenständigkeit, um nicht wie eine bloße Hommage zu wirken. Die Mischung aus Mystery, Abenteuer und leichtem Pulp-Feeling funktioniert hervorragend. Die Hauptfigur wirkt charismatisch und geheimnisvoll zugleich, wodurch sofort Interesse an weiteren Geschichten entsteht, die allerdings sehr kantigen Zeichnungen werden nicht jedermanns Geschmack treffen.
„Heute frischer Fisch – Brückenbauer“ setzt seinen ungewöhnlich ruhigen und melancholischen Ton erfolgreich fort. Der dritte Teil vertieft erneut die Figurenzeichnung und zeigt, dass moderne europäische Comics oft stärker über Atmosphäre und Charakterentwicklung funktionieren als über reine Action. Gerade diese entschleunigte Erzählweise macht die Serie besonders.
Ein großes Highlight des Hefts ist das Finale von „Ray Ringo – Devil’s Gate“. Die Serie bestätigt mit ihrem Abschluss endgültig ihren Ruf als einer der stärksten modernen Western im europäischen Comicbereich. Der letzte Teil ist kompromisslos, emotional und hart, es ist aber nur der erste Teil eines Zyklus über drei Alben. Besonders beeindruckend ist, dass die Geschichte niemals einfache Lösungen anbietet. Die Figuren tragen die Konsequenzen ihrer Entscheidungen bis zum bitteren Ende. Die staubige, gefährliche Welt des amerikanischen Westens wird mit enormer Intensität dargestellt, und die Zeichnungen verleihen dem Finale zusätzliche Wucht. Auch für ältere Leser sicherlich eine Freude, da der Text nicht sehr reichhaltig ist, kommt eine größere Schrittgröße zum Einsatz
Auch „Libertalia – Die Wege zur Hölle“ bleibt weiterhin stark. Der zweite Teil vertieft die düstere Piratenwelt konsequent und zeigt erneut, wie brutal und hoffnungslos diese Welt eigentlich ist. Anders als klassische Abenteuercomics romantisiert die Serie nichts. Piraterie erscheint hier als permanenter Kampf ums Überleben. Gerade diese realistische Härte macht den Comic so faszinierend.
Neben den Comics punktet auch ZACK 323 mit seinen redaktionellen Inhalten. Der Beitrag zu Siegfried Lenz zeigt erfreulich deutlich, dass sich das Magazin nicht nur auf reine Comicberichterstattung beschränkt, sondern kulturell breiter interessiert bleibt. Auch die Vorstellung von „Simba Lee“ macht neugierig und passt hervorragend zur Abenteuertradition des Hefts.
Besonders angenehm ist erneut die Mischung aus Nostalgie und Moderne. Während Serien wie „Harry & Platte“ klassisches ZACK-Feeling erzeugen, stehen düstere Reihen wie „Der Buckelige von Montfaucon“ oder „Libertalia“ für die moderne Entwicklung europäischer Comics. Genau diese Vielfalt macht das Magazin heute so interessant.
ZACK 322
Besonders auffällig ist diesmal die enorme Bandbreite an Stimmungen und Genres. Zwischen klassischem Abenteuercomic, modernem Thriller, Western und Motorsportdrama entsteht eine abwechslungsreiche Mischung, die sich trotzdem erstaunlich geschlossen anfühlt.
Der Auftakt von „Libertalia – Die Wege zur Hölle“ gehört dabei sofort zu den großen Höhepunkten des Hefts. Die Serie entwickelt von den ersten Seiten an eine düstere, fast schon bedrückende Atmosphäre. Statt romantischer Piratenfolklore erwartet den Leser eine erbarmungslose Welt voller Verrat, Gewalt und Machtspiele. Gerade diese Härte macht den Reiz aus. Die Figuren wirken gezeichnet vom Leben auf See, von Gier und Angst, und die Zeichnungen transportieren das mit beeindruckender Intensität. Die Hafenanlagen, Schiffe und schmutzigen Tavernen besitzen eine fast greifbare Atmosphäre. Man merkt deutlich, dass moderne europäische Abenteuercomics heute viel stärker auf psychologische Spannung setzen als frühere Generationen. Düstere verstörende Bilder, völlig abseits der klassischen Piraten Comics,
Ganz anders funktioniert „Heute frischer Fisch – Brückenbauer“, das seinen ruhigen, beinahe melancholischen Ton konsequent fortsetzt. Der zweite Teil lebt vor allem von den zwischenmenschlichen Spannungen und den kleinen Momenten. Die Serie beweist erneut, dass nicht jede gute Comicgeschichte auf spektakuläre Action angewiesen ist. Vielmehr entsteht die Spannung aus den Figuren selbst, ihren Konflikten und ihrer Unsicherheit. Gerade dadurch hebt sich die Reihe angenehm von klassischen Abenteuerstoffen ab.
Der vierte Teil von „Ray Ringo – Devil’s Gate“ steigert die Spannung spürbar und führt die Figuren immer tiefer in eine Welt voller Gewalt, Schuld und Misstrauen. Besonders gelungen ist die moralische Grauzone der Serie. Niemand ist hier ein strahlender Held, und genau das macht die Geschichte so packend. Die Landschaften wirken staubig und lebensfeindlich, die Gesichter hart und verbraucht. Visuell erinnert die Serie teilweise an moderne Westernfilme, ohne ihre frankobelgischen Wurzeln zu verleugnen.
Das Finale von „Jeff Mistral – Nahtoderfahrung“ sorgt dagegen für einen eher psychologischen Abschluss. Die Serie verband Thriller-Elemente mit mystischen Andeutungen und einer permanenten unterschwelligen Bedrohung. Im letzten Kapitel gelingt es der Geschichte, die offenen Fragen weitgehend überzeugend aufzulösen, ohne ihre düstere Grundstimmung zu verlieren. Besonders stark bleibt die innere Zerrissenheit der Hauptfigur, die der Serie emotionales Gewicht verleiht.
Auch Michel Vaillant erreicht mit „Erlösung“ seinen Abschluss. Die moderne Interpretation des klassischen Rennfahrercomics zeigt erneut, wie flexibel sich die traditionsreiche Serie an heutige Erzählweisen angepasst hat. Motorsport, wirtschaftlicher Druck und familiäre Konflikte greifen hervorragend ineinander. Gleichzeitig bleibt die Serie ihrer zentralen Leidenschaft treu: der Faszination für Geschwindigkeit und Technik. Besonders die Rennszenen sind dynamisch und energiegeladen inszeniert.
Ein echtes Highlight des Hefts ist außerdem das Finale von Rick Master mit „Dead Sugar“. Die moderne Neuinterpretation des klassischen Ermittlers funktioniert erstaunlich gut, weil sie die DNA der alten Serie bewahrt, aber deutlich düsterer und erwachsener erzählt. Der letzte Teil entwickelt enorme Spannung und erinnert stellenweise eher an moderne europäische Kriminalserien als an klassische Abenteuercomics. Gerade diese Mischung macht die Serie so stark.
Neben den Comics überzeugt ZACK 322 erneut mit seinem umfangreichen redaktionellen Teil. Das Jubiläum „50 Jahre ZACK“ sorgt für nostalgische Momente und zeigt gleichzeitig, welchen Einfluss das Magazin über Jahrzehnte auf die deutsche Comiclandschaft hatte. Besonders interessant ist das Interview mit Dany, das spannende Einblicke in die Arbeitsweise und Haltung des Künstlers liefert. Er gibt auch Informationen, wie schnell der Carlsen Verlag, der der negativen Kritik einer Influencerin in Frankreich, das Album „Spirou und Fantasio Spezial 42: Spirou und die blaue Gorgone“ vom Markt genommen hat. Traurig, aber wahr. Ergänzt wird das Ganze durch Szeneberichte, Spotlights und die charmanten Beiträge aus dem „ZACK-Keller“, die den besonderen Charakter des Magazins unterstreichen.
Insgesamt gehört ZACK 322 eindeutig zu den stärkeren Ausgaben der letzten Zeit. Das Heft verbindet klassische Abenteuertradition mit modernen europäischen Erzählformen und schafft dabei eine bemerkenswerte Balance aus Nostalgie und Gegenwart. Gerade die Mischung aus harten Western, düsteren Piratenabenteuern, psychologischen Thrillern und klassischem Rennsportcomic macht diese Ausgabe so lesenswert.
ZACK 321
ZACK 321
Ausgabe 321 knüpft direkt an die Stärken des Vorgängers an, setzt aber noch stärker auf erzählerische Verdichtung und emotionale Abschlüsse. Man merkt deutlich, dass mehrere Serien hier auf wichtige Wendepunkte zusteuern – oder sie bereits erreichen.
Im Mittelpunkt steht dabei ganz klar das Finale von Aleksis Strogonov – Tamo. Die Serie hat sich über ihre Laufzeit hinweg zu einem echten Geheimtipp entwickelt, und der Abschluss bringt noch einmal alles zusammen: Abenteuer, Humor und ein leicht melancholischer Unterton, der überraschend gut funktioniert. Das bleibt im Gedächtnis.
Die fortlaufenden Serien wie Rick Master – Dead Sugar, Ray Ringo – Devil’s Gate und Jeff Mistral – Nahtoderfahrung ziehen spürbar an. Gerade hier zeigt sich die Stärke des ZACK-Konzepts: Man ist als Leser mittendrin in mehreren Geschichten gleichzeitig und freut sich von Ausgabe zu Ausgabe auf die nächsten Kapitel.
Ein frischer Impuls kommt mit dem Start von Heute frischer Fisch – Brückenbauer. Der Auftakt macht neugierig und fügt sich erstaunlich gut ins Gesamtbild ein – genau solche neuen Serien sind wichtig, damit ZACK lebendig bleibt.
Michel Vaillant – Erlösung bleibt weiterhin ein verlässlicher Fixpunkt im Heft, während Parker & Badger mit ihrem typischen Humor wieder für Auflockerung sorgen. Auch Einzelbeiträge wie Der Ritter geben dem Magazin zusätzliche Vielfalt.
Dazu kommt diesmal die 5-seitige Henri Vaillant Story für alle Freunde von „Henri Vaillant - Ein Leben voller Herausforderungen“
Im redaktionellen Teil sticht vor allem das Interview mit Dany hervor, das angenehm persönlich ausfällt und interessante Einblicke liefert. Zusammen mit den fortlaufenden Jubiläumsartikeln entsteht auch hier wieder das Gefühl, dass ZACK mehr ist als nur eine Comic-Sammlung – eher ein Magazin mit echter Fan-Seele.
ZACK 321 wirkt insgesamt etwas fokussierter und erzählerisch dichter als die vorherige Ausgabe. Es ist genau diese Mischung aus Abschluss, Aufbau und frischen Ideen, die das Heft so lesenswert macht – und die Vorfreude auf die nächsten Ausgaben weiter steigen lässt.
ZACK 320
ZACK 320
Mit Ausgabe 320 liefert ZACK ein Heft ab, das sich wie ein gut gefülltes Buffet für Comicfans anfühlt. Besonders reizvoll ist die Mischung aus laufenden Serien, großen Abschlüssen und kleinen, eigenständigen Beiträgen, die dem Magazin seinen unverwechselbaren Charakter geben.
Ein echtes Highlight ist das Finale von Amoras – Wiske. Die Serie hat über mehrere Teile hinweg eine düstere, fast schon ungewohnt erwachsene Variante bekannter Figuren präsentiert, und der Abschluss bringt diese Tonlage konsequent zu Ende. Das ist nicht nur spannend erzählt, sondern auch visuell eindrucksvoll umgesetzt – genau die Art von moderner Interpretation, die zeigt, wie flexibel klassische Stoffe sein können. Leide bei den Lesern nicht der erhoffte Erfog.
Auch Tanguy & Laverdure – Verrat erreicht hier seinen Schlusspunkt und liefert ein klassisches Abenteuerfinale, das Fans der Serie zufriedenstellen dürfte. Fliegeraction, Tempo und eine klare Dramaturgie – das fühlt sich angenehm „old school“ an, ohne altbacken zu wirken.
Die Fortsetzungen wie Rick Master – Dead Sugar, Michel Vaillant – Erlösung und Ray Ringo – Devil’s Gate halten das Spannungsniveau konstant hoch. Gerade bei Rick Master merkt man, wie gut die Serie modernisiert wurde, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Michel Vaillant bleibt ohnehin eine Bank im Heft – Rennsport, Drama und Charakterentwicklung greifen hier sauber ineinander.
Für den humorvollen Ausgleich sorgen Parker & Badger, die mit ihrem typischen Chaos wieder für einige Schmunzler gut sind. Dazu kommt mit Tizombi – Abschied eine herrlich schräge Note, die zeigt, dass ZACK auch Platz für ungewöhnlichere Beiträge lässt.
Der redaktionelle Teil rundet das Ganze wie gewohnt solide ab. Die Beiträge zu „50 Jahre ZACK“ tragen viel zur Identität des Heftes bei und sind gerade für langjährige Leser ein schöner Blick zurück – ohne dabei in reiner Nostalgie stecken zu bleiben.
Der Artikel über „Die Ballade der Carol Welsh“ räumt auf mit Gerüchten und Vermutungen und stellt die neue Gesamtausgabe dieses modernen Klassikers vor.
Unterm Strich ist ZACK 320 eine runde, abwechslungsreiche Ausgabe, die vor allem durch ihre starken Abschlüsse und die gelungene Balance zwischen Tradition und Moderne überzeugt.