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Das Drama - Noch mal auf Anfang

Das Drama - Noch mal auf Anfang
Regisseur Kristoffer Borgli
Schauspieler Zendaya, Robert Pattinson, Alana Haim, Hailey Gates, Sydney Lemmon
Laufzeit: ca. 106 Min.
Bild: 1,85:1 (1080p/24)
Sprache: Deutsch, Englisch
Ton: DTS-HD MA 5.1
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
LEONINE

Der Titel „Noch mal auf Anfang“ klingt zunächst nach einer klassischen Geschichte über zweite Chancen, doch Regisseur Kristoffer Borgli macht daraus weit mehr als ein gewöhnliches Drama. Der norwegische Filmemacher, der bereits mit seinem bitterbösen Humor und gesellschaftskritischen Blick auf moderne Beziehungen Aufmerksamkeit erregte, verbindet auch hier psychologische Charakterstudie, Satire und emotionale Tragödie zu einem Film, der lange nach dem Abspann beschäftigt.

Im Mittelpunkt steht ein Mensch, der mit den Entscheidungen seines bisherigen Lebens hadert und plötzlich mit der Möglichkeit konfrontiert wird, Vergangenes noch einmal zu überdenken. Was zunächst wie die Chance auf einen Neuanfang erscheint, entwickelt sich schnell zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Schuld, Sehnsucht, Selbsttäuschung und den Konsequenzen eigener Entscheidungen.

Kristoffer Borgli verzichtet dabei bewusst auf einfache Antworten. Statt klarer Schwarz-Weiß-Zeichnung präsentiert er Figuren, die voller Widersprüche stecken. Jeder Charakter besitzt nachvollziehbare Motive, macht Fehler und trägt emotionale Verletzungen mit sich herum. Dadurch entsteht ein Drama, das sich angenehm von vielen Hollywood-Produktionen unterscheidet und den Zuschauer immer wieder dazu zwingt, seine eigene Sichtweise zu hinterfragen.

Besonders interessant ist dabei, wie Borgli moderne Themen wie Identität, gesellschaftliche Erwartungen und die Sehnsucht nach Anerkennung behandelt. Ohne erhobenen Zeigefinger entsteht eine Geschichte, die ebenso persönlich wie universell wirkt.

Der Film entwickelt eine fast schleichende Spannung. Man spürt ständig, dass sich unter der Oberfläche emotionale Konflikte zusammenbrauen. Borgli nimmt sich Zeit für seine Figuren und verzichtet weitgehend auf hektische Schnitte oder übertriebene Dramatik. Dadurch entfaltet sich eine dichte Atmosphäre, die den Zuschauer immer tiefer in die Geschichte hineinzieht.

Zendaya liefert einmal mehr den Beweis, dass sie längst zu den vielseitigsten Schauspielerinnen ihrer Generation gehört. Sie spielt ihre Rolle mit beeindruckender Natürlichkeit und großer emotionaler Tiefe. Besonders in den ruhigen Momenten transportiert sie Unsicherheit, Hoffnung und Verzweiflung allein durch ihre Mimik.

Robert Pattinson zeigt erneut, warum er sich in den vergangenen Jahren als einer der interessantesten Charakterdarsteller etabliert hat. Seine Figur bewegt sich ständig zwischen Sympathie und Distanz, wodurch eine enorme Spannung entsteht. Pattinson gelingt es hervorragend, innere Konflikte glaubwürdig darzustellen, ohne sie jemals zu überzeichnen.

„Noch mal auf Anfang“ gehört zu den Filmen, die sich Zeit nehmen. Wer spektakuläre Wendungen oder permanentes Tempo erwartet, könnte zunächst überrascht sein. Borgli erzählt bewusst ruhig und konzentriert sich vollständig auf die Entwicklung seiner Figuren.

Gerade dadurch gewinnen die emotionalen Höhepunkte enorme Wirkung. Viele Szenen leben von unausgesprochenen Gefühlen, von Blicken oder kurzen Dialogen, die wesentlich mehr erzählen als lange Monologe.

Das Drehbuch entwickelt seine Themen konsequent weiter und vermeidet einfache Lösungen. Statt eines typischen Hollywood-Endes bleibt genügend Raum für Interpretationen und eigene Gedanken.

So überzeugend der Film über weite Strecken auch ist, bleibt am Ende doch ein kleiner Wermutstropfen zurück. Nach über 100 Minuten, in denen Kristoffer Borgli konsequent mit den Erwartungen des Publikums spielt und seine Figuren mit großer psychologischer Tiefe entwickelt, wirkt das Finale überraschend vorsichtig.

Gerade weil der Film zuvor keine Angst davor hat, unbequeme Fragen zu stellen und moralische Grauzonen auszuloten, hätte man sich auch für den Schluss mehr Konsequenz gewünscht. Statt den eingeschlagenen Weg kompromisslos zu Ende zu gehen, entscheidet sich das Drehbuch für eine Auflösung, die zwar funktioniert, letztlich aber deutlich konventioneller ausfällt, als es die Geschichte eigentlich verdient hätte.

Dabei wäre durchaus Raum für ein mutigeres, vielleicht sogar verstörenderes oder emotional schmerzhafteres Ende gewesen – eines, das den Zuschauer noch nachhaltiger beschäftigt hätte und besser zu den zuvor aufgebauten Themen von Reue, Identität und den unumkehrbaren Folgen eigener Entscheidungen gepasst hätte. Gerade Borglis bisherige Arbeiten haben gezeigt, dass er keine Scheu vor unbequemen oder bitteren Schlusspunkten besitzt. Umso überraschender wirkt es, dass „Noch mal auf Anfang“ kurz vor der Ziellinie etwas auf die Bremse tritt.

Das bedeutet keineswegs, dass das Ende misslungen wäre. Es ist stimmig erzählt und emotional nachvollziehbar. Dennoch hinterlässt es den Eindruck, dass hier zugunsten einer etwas zugänglicheren Auflösung auf die letzte Konsequenz verzichtet wurde. Ein mutigeres Finale hätte aus einem sehr guten Film möglicherweise einen herausragenden gemacht.

Gerade deshalb bleibt nach dem Abspann das Gefühl zurück, dass Kristoffer Borgli seinem Publikum über weite Strecken mehr zugetraut hat als in den letzten Minuten des Films. Das schmälert die Qualität des Gesamtwerks nur geringfügig, verhindert aber den Sprung in die absolute Spitzenklasse.

Die Blu-ray von LEONINE präsentiert den Film im Originalformat von 1,85:1 in 1080p/24 und hinterlässt insgesamt einen sehr guten Eindruck.

Das Bild überzeugt durch eine natürliche Farbwiedergabe und eine angenehm zurückhaltende Farbpalette, die hervorragend zur melancholischen Grundstimmung des Films passt. Hauttöne wirken jederzeit realistisch, während Kontraste sauber abgestimmt sind und sowohl helle als auch dunkle Szenen viele Details erkennen lassen.

Die Schärfe bewegt sich auf einem hohen Niveau. Besonders Nahaufnahmen profitieren von der ausgezeichneten Detailzeichnung, sodass selbst feinste Gesichtszüge und Stoffstrukturen sichtbar bleiben. Gleichzeitig verzichtet die Produktion erfreulicherweise auf übertriebene digitale Nachschärfung.

Der Schwarzwert präsentiert sich satt und stabil. Auch in dunkleren Sequenzen bleiben Bildinformationen erhalten, ohne dass Details absaufen. Die Kompression arbeitet sauber; störende Artefakte, Banding oder Blockbildung treten praktisch nicht auf.

Das dezente Filmkorn bleibt erhalten und vermittelt einen angenehm filmischen Eindruck. Insgesamt liefert LEONINE eine technisch sehr gelungene Blu-ray, die den visuellen Stil des Films hervorragend transportiert.



Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in DTS-HD Master Audio 5.1 vor.

Da es sich um ein dialogorientiertes Drama handelt, konzentriert sich die Abmischung hauptsächlich auf die Frontkanäle. Dialoge werden jederzeit glasklar und verständlich wiedergegeben. Die Stimmen besitzen eine angenehme Natürlichkeit und bleiben selbst während musikalischer Passagen hervorragend verständlich.

Die Surround-Lautsprecher werden überwiegend für atmosphärische Umgebungsgeräusche genutzt. Straßengeräusche, Innenräume oder Naturkulissen erzeugen eine dezente, aber wirkungsvolle Räumlichkeit.

Der Musikscore verteilt sich harmonisch über alle Lautsprecher und unterstützt die emotionale Wirkung der Handlung wirkungsvoll. Tieffrequente Effekte spielen erwartungsgemäß nur eine untergeordnete Rolle, der Subwoofer wird entsprechend sparsam eingesetzt.

Insgesamt liefert die Blu-ray eine sehr ausgewogene und hochwertige Tonmischung, die perfekt zum ruhigen Erzählstil passt.

Die Veröffentlichung konzentriert sich in erster Linie auf den Film selbst. Wie bei vielen aktuellen LEONINE-Veröffentlichungen fällt das Bonusmaterial eher überschaubar aus. Wer ausführliche Making-of-Dokumentationen oder Audiokommentare erwartet, dürfte daher etwas enttäuscht sein. Dafür überzeugt die technische Präsentation des Hauptfilms auf ganzer Linie.

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