Babylon Berlin - Staffel 5
Babylon Berlin - Staffel 5
Regie: Tom Tykwer, Achim von Borries, Henk Handloegten
Schauspieler: Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Jens Harzer, Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, Benno Fürmann
Laufzeit ca. 378 Min.
Bildformat 1,78:1 (1080p/25)
Audio Deutsch Audiodeskription, Deutsch DTS-HD MA 5.1
Untertitel Deutsch für Hörgeschädigte
LEONINE Studios TV SI
Mit der fünften und abschließenden Staffel erreicht „Babylon Berlin“ den historischen Wendepunkt, auf den die Serie seit ihrem Beginn zugesteuert ist. Deutschland befindet sich Anfang 1933 unmittelbar vor dem endgültigen Zusammenbruch seiner demokratischen Ordnung. Die politischen Machtverhältnisse verändern sich in erschreckender Geschwindigkeit, während die persönlichen Schicksale der Hauptfiguren untrennbar mit den gesellschaftlichen Umwälzungen verbunden bleiben. Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten führen ihre aufwendig inszenierte Mischung aus Kriminalgeschichte, Politthriller und historischem Gesellschaftspanorama zu ihrem Abschluss.
Im Zentrum stehen erneut Kriminalkommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), deren Beziehung ebenso kompliziert bleibt wie die politischen und beruflichen Verhältnisse, in denen sie sich bewegen. Während die Nationalsozialisten ihre Macht ausbauen und bisherige Gewissheiten verschwinden, geraten beide zunehmend in Situationen, in denen persönliche Loyalität, moralische Überzeugungen und das eigene Überleben miteinander kollidieren. Die Kriminalhandlung ist dabei eng mit den politischen Entwicklungen verbunden. Alte Netzwerke versuchen ihre Positionen zu sichern, während neue Machthaber Polizei, Justiz und gesellschaftliche Institutionen für ihre Zwecke vereinnahmen.
Besonders eindrucksvoll gelingt der Staffel die Darstellung einer Gesellschaft, in der sich die politischen Veränderungen zunächst schleichend und schließlich mit erschreckender Geschwindigkeit vollziehen. Menschen, die gestern noch Einfluss besaßen, verlieren plötzlich ihre Stellung, während Opportunisten und überzeugte Nationalsozialisten die neuen Verhältnisse für sich nutzen. Die Serie zeigt diesen Wandel nicht allein anhand historischer Ereignisse, sondern vor allem durch die unterschiedlichen Reaktionen ihrer Figuren. Manche versuchen, sich anzupassen, andere leisten Widerstand oder verschließen die Augen vor den Konsequenzen.
Volker Bruch verleiht Gereon Rath erneut jene innere Zerrissenheit, die seine Figur von Beginn an ausgezeichnet hat. Liv Lisa Fries behauptet sich als Charlotte Ritter mit einer bemerkenswerten Mischung aus Selbstbewusstsein, Verletzlichkeit und Entschlossenheit. Auch Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, Jens Harzer und Benno Fürmann tragen mit ihren vielschichtigen Darstellungen wesentlich dazu bei, dass die zahlreichen Handlungsstränge nicht zu einem bloßen historischen Schaubild werden. Gerade die Widersprüche der Figuren verleihen der Geschichte ihre emotionale Glaubwürdigkeit.
Die größte Stärke bleibt allerdings die außergewöhnliche audiovisuelle Umsetzung. Kaum eine andere deutsche Fernsehproduktion hat das Berlin der späten Weimarer Republik mit vergleichbarem Aufwand und einer derart eigenständigen Bildsprache zum Leben erweckt. Die detailreichen Kulissen, aufwendigen Kostüme und sorgfältig gestalteten Innenräume vermitteln eine faszinierende Vorstellung der damaligen Zeit. Dabei beschränkt sich die Inszenierung keineswegs auf historische Authentizität. Expressive Kameraperspektiven, ungewöhnliche Lichtsetzungen und kunstvoll komponierte Bilder verleihen der Serie einen unverwechselbaren Stil. Besonders beeindruckend ist der Kontrast zwischen den glanzvollen Vergnügungswelten und der zunehmend bedrohlichen politischen Realität.
Auch musikalisch bleibt „Babylon Berlin“ eine Klasse für sich. Die Verbindung aus zeitgenössisch inspirierten Kompositionen, atmosphärischer Filmmusik und sorgfältig gestalteten Klanglandschaften trägt wesentlich zur Wirkung der Bilder bei. Die Regisseure verstehen es ausgezeichnet, große gesellschaftliche Entwicklungen mit intimen persönlichen Momenten zu verbinden. Gelegentlich verlangt die Vielzahl der Figuren und politischen Verflechtungen allerdings einiges an Aufmerksamkeit. Wer die vorherigen Staffeln nicht mehr genau in Erinnerung hat, dürfte Schwierigkeiten haben, sämtliche Zusammenhänge sofort wiederzuerkennen.
Die Blu-ray wird dem visuellen Aufwand der Produktion erfreulich gut gerecht. Das 1080p-Bild im Format 1,78:1 überzeugt durch eine sehr gute Detailzeichnung, differenzierte Farben und die atmosphärische Wiedergabe der aufwendig ausgeleuchteten Schauplätze. Besonders die Kostüme, historischen Straßenzüge und prunkvollen Innenräume kommen hervorragend zur Geltung. Die deutsche DTS-HD-Master-Audio-5.1-Tonspur bietet eine räumlich überzeugende Abmischung, bei der sowohl die Dialoge als auch die Musik und die zahlreichen Umgebungsgeräusche wirkungsvoll zur Geltung kommen.
Mit der fünften Staffel findet eine der ambitioniertesten deutschen Fernsehserien ihren Abschluss. Die Verbindung aus spannender Kriminalhandlung, überzeugenden Darstellern und einer außergewöhnlich aufwendigen Ausstattung bleibt beeindruckend. Vor allem gelingt es den Machern, die letzten Tage der Weimarer Republik nicht nur als historische Kulisse zu verwenden, sondern den politischen Zusammenbruch unmittelbar in das Schicksal ihrer Figuren einfließen zu lassen. Ein würdiger Abschluss einer Serie, die auch international Maßstäbe für deutsche Fernsehproduktionen gesetzt hat.