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28 Days Later (Limitiertes Steelbook, 4K-UHD)

28 Days Later (Limitiertes Steelbook, 4K-UHD)
GB 2000
Regisseur: Danny Boyle
Darsteller: Cillian Murphy, Christopher Eccleston, Naomie Harris, Brendan Bildformat: 1.85:1 (16:9)
Filmlänge: ca. 113 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch
Gleeson
Sony Pictures Entertainment
PLAION PICTURES

Als Danny Boyle 2002 mit 28 Days Later in die Kinos kam, war kaum abzusehen, welchen Einfluss dieser vergleichsweise günstig produzierte britische Horrorfilm auf das Genre haben würde. Mehr als zwei Jahrzehnte später gehört er für mich zu den wichtigsten Horrorfilmen der 2000er-Jahre. Boyle und Drehbuchautor Alex Garland nahmen Elemente des klassischen Zombiekinos und versetzten sie in eine moderne, erschreckend glaubwürdige Welt. Vor allem die rasenden Infizierten veränderten die Wahrnehmung des Genres nachhaltig.

Und dann ist da natürlich Cillian Murphy.

Heute gehört Murphy spätestens seit Peaky Blinders und seinem Oscar-Erfolg mit Oppenheimer zu den großen internationalen Stars. In 28 Days Later stand er dagegen noch ganz am Anfang seiner Weltkarriere. Zwar hatte er bereits zuvor Filme gedreht, doch für ein internationales Publikum war Jim die Rolle, mit der viele ihn erstmals wahrnahmen. Gerade beim heutigen Wiedersehen ist es faszinierend, den jungen Murphy zu beobachten. Seine schmale, verletzliche Erscheinung ist weit entfernt vom klassischen Actionhelden, und genau deshalb funktioniert er so hervorragend.

Jim erwacht nach einem Fahrradunfall aus dem Koma und findet sich allein in einem verlassenen Londoner Krankenhaus wieder. Draußen scheint die Welt aufgehört zu existieren. Straßen sind menschenleer, Müll liegt herum, Geldscheine wehen über den Boden – und selbst Piccadilly Circus ist ausgestorben.

Diese Bilder haben bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren.

Jim erfährt schließlich, was geschehen ist. Tierschützer haben infizierte Schimpansen aus einem Forschungslabor befreit und damit unwissentlich das sogenannte Rage-Virus verbreitet. Innerhalb von Sekunden verwandelt es Menschen in rasende, extrem aggressive Infizierte. Großbritannien ist innerhalb weniger Wochen zusammengebrochen.

Jim trifft auf Selena, später auf Frank und dessen Tochter Hannah. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu einem militärischen Außenposten, dessen Funkspruch Sicherheit und eine mögliche Antwort auf die Katastrophe verspricht.

Doch genau hier verändert sich der Film.

Denn die Infizierten sind letztlich nicht die einzige Gefahr. Bei Major Henry West und seinen Soldaten angekommen, erkennen Jim und seine Begleiter, dass die vermeintliche Rettung eine ganz andere Form von Bedrohung darstellt. Boyle und Garland stellen damit eine der ältesten Fragen des Endzeitfilms: Was bleibt von Moral und Zivilisation übrig, wenn sämtliche gesellschaftlichen Regeln verschwinden?

Christopher Eccleston spielt West dabei ausgezeichnet. Er ist kein wild schreiender Irrer, sondern ein Mann, der seine eigenen entsetzlichen Entscheidungen rationalisiert. Gerade deshalb wirkt er so unangenehm glaubwürdig.

Auch Brendan Gleeson sorgt als Frank für einige der menschlichsten Momente des Films. Seine Beziehung zu Hannah gibt der Geschichte Wärme und Hoffnung, bevor Boyle einmal mehr zeigt, wie schnell diese Welt einem Menschen alles nehmen kann. Naomie Harris wiederum ist als Selena zunächst vollkommen auf Überleben programmiert. Ihre Bereitschaft, einen infizierten Begleiter innerhalb von Sekunden zu töten, zeigt Jim sehr schnell, nach welchen Regeln die neue Welt funktioniert.

28 Days Later ist dabei streng genommen kein klassischer Zombiefilm. Die Gegner sind nicht tot und wiederauferstanden, sondern mit einem Virus infizierte Menschen. Trotzdem greift der Film ganz bewusst Traditionen des Zombiekinos auf. Der Einfluss George A. Romeros ist unübersehbar, gleichzeitig macht Boyle daraus etwas Eigenes.

Vor allem die Geschwindigkeit verändert alles. Diese Infizierten schlurfen nicht langsam auf ihre Opfer zu. Sie rennen, schreien und greifen mit einer unglaublichen Aggressivität an. Eine Begegnung bietet kaum Zeit zum Nachdenken.

Das beeinflusste zahlreiche spätere Horrorfilme und Serien. Nach 28 Days Later gehörten schnelle Infizierte endgültig zum modernen Horrorkino.

Mindestens ebenso bedeutend ist aber die visuelle Gestaltung. Kameramann Anthony Dod Mantle und Danny Boyle drehten große Teile des Films mit Canon-XL1-Digitalkameras auf MiniDV. Das Material besitzt deshalb eine sehr niedrige ursprüngliche Auflösung. Doch was damals teilweise aus praktischen Gründen entstand – mit kleinen Kameras ließ sich beispielsweise das menschenleere London wesentlich leichter und schneller aufnehmen –, wurde gleichzeitig zum entscheidenden Stilmittel.

28 Days Later sieht schmutzig, hart und beinahe dokumentarisch aus. Farben brechen teilweise auseinander, Konturen sind grob, Bewegungen wirken verschmiert und die Detailauflösung ist ausgesprochen niedrig.

Und genau so muss dieser Film aussehen.

Deshalb ist die 4K UHD von 28 Days Later ein Sonderfall. Wer die Disc einlegt und eine Bildqualität wie bei einem auf 35-mm-Negativ gedrehten Film erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht.

Aus Standard-Definition-MiniDV kann man keine echten 4K-Details zurückholen.

Der überwiegende Teil des Films wurde mit der Canon XL1 aufgenommen. Die ursprüngliche Auflösung liegt damit sogar weit unter Full HD. Eine UHD kann daraus keine feinen Hautporen, gestochen scharfen Hintergrunddetails oder plötzlich lesbare kleinste Beschriftungen zaubern.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie scharf sieht 28 Days Later in 4K aus?

Sondern: Wie gut lässt sich das vorhandene Material auf UHD präsentieren?

Das Bild bleibt zwangsläufig grob und weich. Gesichter besitzen teilweise erstaunlich wenige Details, Hintergründe können regelrecht verwaschen erscheinen und Bewegungen zeigen den charakteristischen Videolook der damaligen Kameratechnik. Auch ausgebrannte helle Bereiche und digitales Rauschen gehören zum Ausgangsmaterial.

Das sollte man der UHD nicht als Fehler anrechnen.

Im Gegenteil: Eine aggressive digitale Bearbeitung wäre hier vermutlich die schlechteste Lösung. Würde man versuchen, sämtliche Schwächen mit Filtern, künstlicher Nachschärfung oder moderner Rekonstruktion zu beseitigen, würde man gleichzeitig einen entscheidenden Bestandteil der Identität des Films zerstören.

Gerade das verlassene London profitiert von dieser Ästhetik. Die Aufnahmen wirken beinahe wie zufällig gefundene Bilder einer echten Katastrophe. Eine makellos saubere digitale 4K-Aufnahme würde diese Atmosphäre wahrscheinlich sogar abschwächen.

Interessant wird der Vergleich bei den wenigen auf Film aufgenommenen Passagen. Hier zeigt sich schlagartig, wie groß der Unterschied des Ausgangsmaterials ist. Diese Szenen besitzen eine ganz andere Detailstruktur und machen gleichzeitig deutlich, dass die geringe Auflösung des restlichen Films keine schlechte Restaurierung ist, sondern in dessen DNA steckt.

Die UHD sollte man deshalb weniger als klassische 4K-Demonstrationsdisc betrachten, sondern als Möglichkeit, 28 Days Later unter den bestmöglichen heutigen Bedingungen zu sehen, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.

Wer Referenzschärfe sucht, ist hier definitiv falsch. Wer dagegen akzeptiert, dass der raue MiniDV-Look ein bewusstes Stilmittel und ein wesentlicher Bestandteil des Films ist, kann die Qualität wesentlich besser einordnen.

Der Ton

Beim Ton bestehen diese Einschränkungen naturgemäß nicht in gleichem Maße. Deutsch und Englisch liegen in DTS-HD Master Audio 5.1 vor.

Gerade die Kontraste der Tonspur funktionieren hervorragend. Boyle nutzt immer wieder nahezu vollständige Stille und lässt diese anschließend von Gewalt, Schreien oder Musik durchbrechen. Die verlassenen Straßen Londons gewinnen ihre unheimliche Wirkung auch dadurch, dass die gewohnte Geräuschkulisse einer Millionenstadt plötzlich fehlt.

Wenn die Infizierten auftauchen, verändert sich das Klangbild schlagartig. Schreie, Angriffe und Umgebungsgeräusche verteilen sich räumlich, während der Subwoofer den dramatischen Momenten zusätzlichen Nachdruck verleiht.

Besonders wichtig ist natürlich die Musik. John Murphys Score und vor allem In the House – In a Heartbeat sind längst untrennbar mit dem Film verbunden. Der zunächst zurückhaltende Aufbau und die stetige Steigerung passen perfekt zu Boyles Inszenierung und wurden später unzählige Male zitiert und imitiert.

Die 5.1-Abmischung muss dabei keine permanente Effektshow veranstalten. Gerade der Wechsel zwischen Ruhe und plötzlicher akustischer Aggression macht ihre Wirkung aus.

Die Extras

Das Bonusmaterial umfasst Featurettes, geschnittene Szenen und ein alternatives Ende.

Gerade das alternative Ende ist interessant, weil es zeigt, dass Boyle und Garland durchaus unterschiedliche Vorstellungen davon ausprobierten, wie Jims Geschichte enden könnte. Solche Extras besitzen für mich wesentlich mehr Wert als reine Werbebeiträge, weil sie tatsächlich einen Blick auf die Entwicklung eines Films ermöglichen.

Die geschnittenen Szenen ergänzen diesen Eindruck und ermöglichen weitere Einblicke in Material, das letztlich nicht für die Kinofassung verwendet wurde. Die Featurettes beschäftigen sich darüber hinaus mit der Produktion und dem ungewöhnlichen Konzept des Films.

Gemessen an manch aufwendiger Sammleredition ist die Ausstattung nicht riesig. Das vorhandene Material ist für Fans aber durchaus interessant. Das limitierte Steelbook dürfte ohnehin vor allem diejenigen ansprechen, die diesen modernen Horrorklassiker endlich in einer hochwertigen UHD-Ausgabe in die Sammlung stellen möchten.

Fazit

28 Days Later hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum etwas von seiner Wirkung verloren. Im Gegenteil: Manche Elemente wirken heute beinahe noch beklemmender als 2002.

Danny Boyle und Alex Garland erzählen nicht einfach von einer Viruskatastrophe. Sie erzählen vom Zusammenbruch gesellschaftlicher Strukturen und davon, wie schnell Menschen ihre vermeintliche Zivilisiertheit verlieren können. Die Infizierten sind dabei nur ein Teil der Bedrohung.

Gleichzeitig markierte der Film einen wichtigen Moment für das moderne Horrorkino. Die rasenden Infizierten, die kompromisslose digitale Optik und die Verbindung aus Endzeitfilm, Horror und menschlichem Drama beeinflussten zahlreiche spätere Produktionen.

Und schließlich war 28 Days Later ein entscheidender Film für **Cillian Murphy**. Es ist heute fast schon erstaunlich, ihn hier am Anfang seiner internationalen Karriere zu sehen: verletzlich, unsicher und weit entfernt von dem Weltstar, der er später werden sollte. Schon damals zeigt sich jedoch diese enorme Präsenz, mit der Murphy selbst in ruhigen Szenen einen Film tragen kann.

Die 4K UHD muss man technisch richtig einordnen. Das MiniDV-Ausgangsmaterial setzt der Auflösung klare Grenzen. 28 Days Later wird niemals zu einer knackscharfen 4K-Demonstration werden, ganz gleich, wie aufwendig man das Material bearbeitet. Aber genau diese raue, niedrig aufgelöste und manchmal beinahe hässliche Digitalästhetik gehört zum Film.

Man sollte sie nicht beseitigen wollen.

Denn die leeren Straßen Londons wirken gerade deshalb so erschreckend real. 28 Days Later sieht nicht aus wie eine perfekt ausgeleuchtete Hollywood-Apokalypse. Stellenweise sieht es aus, als hätte jemand tatsächlich eine kleine Kamera genommen und das Ende der Welt dokumentiert.

Mehr als zwei Jahrzehnte später ist 28 Days Later deshalb nicht nur ein moderner Horrorklassiker, sondern auch ein faszinierendes Zeitdokument des frühen digitalen Kinos. Die UHD kann aus MiniDV kein natives 4K zaubern – sie kann aber dafür sorgen, dass wir dieses ungewöhnliche Ausgangsmaterial in einer möglichst guten und authentischen Präsentation erleben.

Und wenn Cillian Murphy zu Beginn allein durch das vollkommen ausgestorbene London läuft, braucht der Film auch 24 Jahre später keine perfekte 4K-Schärfe, um eines der unheimlichsten Bilder des modernen Horrorkinos zu erzeugen.



EXTRAS
Featurettes
Geschnittene Szenen
Alternatives Ende

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