Die Flügel der Zeit

Die Flügel der Zeit Band 1 Die Ära der Pioniere

Die Flügel der Zeit Band 1 Die Ära der Pioniere
Buendia, Zumbiehl, Jolivet
Hardcover, 48 Seiten, farbig
€ 16,00
ISBN 978-3-949987-75-5
Zack Edition


Ihre Beziehung als Piloten ist denkbar schlecht! Denn Duncan, alias „Dunk“, ein Profi mit dickköpfigem Charakter, hat Lucie, alias „Die Gräfin“, einer nicht gerade umgänglichen Wissenschaftlerin, auf der Landebahn die Vorfahrt genommen … Doch die beiden müssen sich zusammenraufen, denn sie sind Teil einer experimentellen Mission: dem ersten bemannten MHD-Flug – ein Hyperschallflug, der bisher nur für Raketen möglich war! Am Steuer einer F-18 fliegen sie in einen mysteriösen Sturm – und finden sich plötzlich im Jahr 1917 wieder, mitten in einem Luftduell über Frankreich während des Ersten Weltkriegs! Wie sind Dunk und Lucie dorthin geraten? Und vor allem: Wie werden sie da wieder herauskommen?
Zwischen den beiden Testpiloten herrscht von Beginn an gespannte Stimmung. Duncan, von allen nur „Dunk“ genannt, ist ein erfahrener Draufgänger mit ausgeprägtem Ego und wenig Geduld für Autoritäten. Lucie hingegen, die man wegen ihrer distanzierten Art nur „die Gräfin“ nennt, ist eine brillante, aber sozial wenig zugängliche Wissenschaftlerin. Bereits beim ersten Zusammentreffen kracht es: Auf der Startbahn ignoriert Dunk jede Etikette und zwingt Lucie rücksichtslos zum Abbruch ihres Manövers. Ein Zwischenfall, der sinnbildlich für ihr schwieriges Verhältnis steht.

Doch persönliche Animositäten müssen hintanstehen, denn beide werden für ein streng geheimes Projekt rekrutiert. Ziel ist nichts Geringeres als der erste bemannte MHD-Flug – ein revolutionäres Hyperschall-Experiment, das bislang ausschließlich unbemannten Raketen vorbehalten war. In einer modifizierten F-18 sollen Dunk und Lucie an die Grenzen des physikalisch Machbaren gehen.

Der entscheidende Testflug nimmt jedoch eine völlig unerwartete Wendung. Beim Durchflug eines rätselhaften atmosphärischen Phänomens verlieren die Instrumente jede Orientierung – und im nächsten Moment finden sich die beiden Piloten nicht mehr im Luftraum der Gegenwart wieder. Stattdessen rasen sie plötzlich durch den Himmel des Jahres 1917, über einem von Explosionen erschütterten Frankreich, mitten hinein in ein erbittertes Luftgefecht des Ersten Weltkriegs.

Der abrupte Zeitsprung weckt unweigerlich Erinnerungen an den Film "Der letzte Countdown" (1980). Während dort jedoch lediglich ein Sprung von rund vier Jahrzehnten erfolgt, katapultiert diese Geschichte ihre Protagonisten mehr als ein Jahrhundert zurück in die Vergangenheit. Diese größere zeitliche Distanz eröffnet zwar spannende erzählerische Möglichkeiten, führt jedoch nicht in allen Aspekten zu den erhofften Ergebnissen. Einige Ideen – etwa die anfängliche Wahrnehmung der modernen Fliegeranzüge als etwas Fremdartiges oder das zufällige Auftauchen genau bei den Vorfahren von Lucie – wirken eher konstruiert als zwingend. Zudem geraten die Begegnungen mit der Vergangenheit stellenweise recht dialoglastig, was das Erzähltempo spürbar abbremst.

Dabei bringen die Autoren eigentlich beste Voraussetzungen mit. Als langjährige Szenaristen von Tanguy & Laverdure kennen sich Frédéric Zumbiehl und Patrice Buendia nicht nur im Fliegermilieu hervorragend aus, sondern beherrschen grundsätzlich auch die Mechanismen klassischer Abenteuergeschichten. Unterstützt werden sie von Olivier Jolivet, der mit Team Rafale ebenfalls umfangreiche Erfahrung in der Darstellung moderner Luftfahrt gesammelt hat. Dennoch bleibt der Einstieg der Serie insgesamt etwas hinter den hohen Erwartungen zurück, die Konzept und Namen wecken.

Auf der visuellen Ebene hingegen überzeugt der Band durchgehend. Die Zeichnungen bewegen sich konstant auf hohem Niveau, mit klarer Linienführung, überzeugender Figurencharakterisierung und technisch präzise umgesetzten Flugsequenzen. Gerade die Darstellung der Maschinen und der historischen wie modernen Luftkampfszenen zeugt von großer Sorgfalt und Fachkenntnis. Umso bedauerlicher ist es, dass die spektakulären Actionmomente erzählerisch nur punktuell genutzt werden. Das letzte Panel deutet jedoch an, dass die Serie ihr Potenzial erst andeutet – und macht Hoffnung, dass der zweite Band die erzählerischen Fäden straffer zieht und die visuelle Stärke noch konsequenter in den Dienst der Handlung stellt.

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