Texas Chainsaw Massacre: The Beginning
Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (Mediabook, 2 Blu-rays) (exkl. Shop)
USA 2000
Regisseur: Jonathan Liebesmann
Darsteller: R. Lee Ermey, Andrew Bryniarski, Matt Bomer, Jordana Brewster
Bildformat: 1.85:1 (16:9)
Filmlänge: ca. 96 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch
PLAION PICTURES
Mit der Mediabook-Veröffentlichung von Texas Chainsaw Massacre: The Beginning bringt Plaion Pictures einen lange Zeit stiefmütterlich behandelten Genrebeitrag endlich in einer Form heraus, die seinem Ruf als besonders kompromissloser Teil der Reihe gerecht wird. Die Kombination aus ungeschnittener Fassung, neuer Synchronisation und umfangreicher Ausstattung macht diese Edition zu einer der interessantesten Katalogveröffentlichungen im Horrorbereich der letzten Jahre.
Regisseur Jonathan Liebesman inszeniert das Prequel zum 2003er-Remake als düsteren Abstieg in eine Welt, die von Gewalt, Verfall und moralischer Verwahrlosung geprägt ist. Im Gegensatz zum Original von Tobe Hooper, das stark auf Andeutung und psychologischen Terror setzte, verfolgt The Beginning einen deutlich direkteren Ansatz. Der Film zeigt, was zuvor nur impliziert wurde – und geht dabei bewusst an die Grenzen des Erträglichen.
Die Handlung ist dabei bewusst geradlinig gehalten: Vier junge Menschen geraten in die Fänge der Hewitt-Familie, deren Ursprungsgeschichte hier weiter ausgeführt wird. Dass die Story keine großen Überraschungen bereithält, ist offensichtlich. Vielmehr liegt der Fokus auf Atmosphäre und Eskalation. Die Dramaturgie ist darauf ausgelegt, die Situation zunehmend ausweglos erscheinen zu lassen – ein Konzept, das konsequent durchgezogen wird, allerdings auch dazu führt, dass es kaum emotionale Verschnaufpausen gibt.
Besonders hervorzuheben ist die Darstellung von R. Lee Ermey als Sheriff Hoyt. Seine Performance ist intensiv, unangenehm und von einer fast schon beängstigenden Authentizität geprägt. Er verkörpert eine Form von sadistischer Autorität, die den Film dominiert und ihm eine zusätzliche Ebene von Unbehagen verleiht. Andrew Bryniarski hingegen gibt Leatherface eine physische Präsenz, die weniger ikonisch als vielmehr brutal und animalisch wirkt.
Trotz der konsequenten Inszenierung bleibt Kritik nicht aus: Die Figurenzeichnung ist eher funktional, viele Charaktere bleiben archetypisch und dienen primär als Mittel zum Zweck. Auch einige narrative Entscheidungen wirken konstruiert, insbesondere im Hinblick auf die Motivation einzelner Figuren. Der Film setzt klar auf Wirkung statt auf Tiefe – was im Kontext des Subgenres funktioniert, aber seine Grenzen hat.
Dennoch entfaltet The Beginning eine bedrückende Intensität, die sich aus der kompromisslosen Darstellung von Gewalt und Hoffnungslosigkeit speist. Gerade diese schonungslose Haltung hebt ihn von weichgespülteren Genrevertretern ab.
Die technische Umsetzung der Blu-ray fällt sehr überzeugend aus. Das Bild im Format 1.85:1 bewahrt den rauen, körnigen Look des Films und unterstützt die dreckige, staubige Ästhetik. Die Farbpalette ist bewusst entsättigt und bewegt sich in erdigen, fast schon ausgebleichten Tönen, was hervorragend zur Atmosphäre passt. Kontrast und Schwarzwert sind stabil, Details bleiben auch in dunkleren Szenen gut erkennbar.
Der DTS-HD Master Audio 5.1-Ton (Deutsch und Englisch) überzeugt durch seine Dynamik. Besonders in den intensiveren Szenen entsteht eine dichte Klangkulisse, die das Geschehen spürbar verstärkt. Die neue deutsche Synchronisation der Unrated-Fassung fügt sich erfreulich nahtlos ein und stellt erstmals sicher, dass die längere Version vollständig auf Deutsch verfügbar ist – ein nicht zu unterschätzender Mehrwert.
Ein zentrales Highlight dieser Veröffentlichung ist die enthaltene Unrated-Version, die bislang in Deutschland nicht vollständig und ungekürzt zugänglich war. Die zusätzlichen Szenen fügen sich organisch ein und verstärken die ohnehin schon harsche Tonalität des Films weiter. Im Vergleich zur Kinofassung wirkt der Film in dieser Variante runder und konsequenter, da narrative Übergänge weniger abrupt erscheinen und einige Szenen mehr Gewicht erhalten.
Dass zusätzlich auch die R-Rated-Kinofassung enthalten ist, ermöglicht einen direkten Vergleich und macht die Edition auch aus filmhistorischer Sicht interessant.
Das Mediabook selbst präsentiert sich hochwertig und sammlerfreundlich. Die Gestaltung ist stimmig und passt zum düsteren Ton des Films. Besonders das 20-seitige Booklet von Benedikt Wilken bietet zusätzlichen Kontext und ordnet den Film innerhalb des Franchise sinnvoll ein.
Auch die Extras überzeugen durch Umfang und Relevanz:
Zwei Audiokommentare, darunter einer mit Jonathan Liebesman
Die ausführliche Making-of-Dokumentation „Down to the Bone“, die interessante Einblicke in die Produktion bietet
Interviews mit Darstellern und Crewmitgliedern
Erweiterte und alternative Szenen inklusive Kommentaren
Alternatives Ende
Trailer und Bildergalerie
Gerade die Dokumentation und die Audiokommentare liefern wertvolle Hintergrundinformationen zur Entstehung und Intention des Films.
Fazit
Diese Veröffentlichung von Plaion Pictures stellt die bislang vollständigste und qualitativ beste Heimkinoauswertung von Texas Chainsaw Massacre: The Beginning dar. Der Film selbst ist ein harter, kompromissloser Vertreter seines Genres, der weniger durch erzählerische Raffinesse als durch seine konsequente Inszenierung und intensive Atmosphäre überzeugt.
Inhaltlich bleibt er hinter den ganz großen Klassikern des Franchise zurück, entwickelt aber eine eigene, unangenehme Wirkung, die ihn gerade für Genreinteressierte relevant macht. In der vorliegenden Edition erhält er nun endlich die Präsentation, die ihm lange verwehrt blieb – inklusive der entscheidenden Unrated-Fassung.
Eine Veröffentlichung, die sowohl aus technischer als auch aus inhaltlicher Sicht überzeugt und zeigt, wie sorgfältig aufgearbeitete Katalogtitel heute aussehen können.
EXTRAS
Ungeschnittene Fassung, komplett synchronisiert
Kinofassung
Audiokommentar von Jonathan Liebesman, Brad Fuller & Andrew Form
Audiokommentar von Steve "Uncle Creepy" Barton und Chris MacGibbon
Making-Of-Dokumentation "Down to the Bone" (ca. 43 Min.)
Geschnittene & erweiterte Szenen mit Audiokommentar (ca. 7 Min.)
Interview mit Schauspieler Lew Temple (ca. 11 Min.)
Interview mit den Makeup-Artists Jack Garber und Kevin Wasner (ca. 15 Min.)
Interview mit Kameramann Lukas Ettlin (ca. 15 Min.)
Alternative Enden mit Audiokommentar (ca. 5 Min.)
Deutscher Trailer
Englischer Trailer
Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
20-seitiges Booklet von Benedikt Wilken
